Tulpen, Kaftane und Levni. Höfische Mode und Kostümalben der Osmanen aus dem Topkapi Palast Istanbul. Museum für Angewandte Kunst Frankfurt. 14. Oktober 2008 – 11. Januar 2009.

© Museum für Angewandte Kunst Frankfurt. Kaftan. Osmanisch, erste Hälfte des 16. Jhs. Seide. Topkapı Sarayı Müzesi Istanbul, 13/41.
Für die Stoffentwürfe war der Geschmack des Sultans ausschlaggebend. In den Palastateliers (Nakkashane) entstanden Vorlagen, die bei der Gestaltung unterschiedlichster kunsthandwerklicher Objekte aus Keramik, Holz, Metall und in der Buchmalerei zum Einsatz kamen. Auf das Medium Stoff transferiert finden sie sich auch auf den prächtigen Kaftanen wieder. Sehr beliebt waren florale Motive wie die Tulpe, Rose und Hyazinthe aber auch chinesisch beeinflusste Ornamente wie das Chintamani und die Tigerstreifen. Mehr noch als die Schnitte der Kaftane unterlagen die Stoffe einem modischen Wandel. Während im 16. Jh. Spitzovale mit floraler Dekoration und großformatige Einzelformen sehr beliebt waren, bevorzugten die Sultane im 17. Jh. Seiden in reduzierter Farbigkeit und Musterung, ab dem 18. Jh. schließlich bestimmten kleinteilige Ornamente und Streifenmuster die Stoffe. Ab dem 19. Jh. erhielt dann die europäische Mode Einzug in den Sultanshof und die klassischen Schnitte wurden zunehmend verdrängt.
Die Ausstellung „Tulpen, Kaftane und Levni“ möchte anhand ausgesuchter Beispiele Entwicklungen in der osmanischen Mode aufzeigen. Die Besonderheit der Ausstellung ist, dass nicht nur die zuvor oft präsentierten Sultanskaftane gezeigt werden, sondern ein besonderes Augenmerk auf die Mode der Damen, Prinzessinnen und Prinzen gelegt wird. In dieser Form und Gewichtung gelingt ein nie zuvor gegebener Einblick in die höfische Gewandung der Osmanen. Angelegt ist die Ausstellung in zwei Themenschwerpunkten. Im Sonderausstellungsraum (EG.) entsteht der geschlossene, nicht öffentliche Lebensbereich der Damen (Harem). Die selten gezeigten Damengewänder werden hier ebenso zu bewundern sein, wie Schuhe, bestickte Tücher, Gürtel und andere Accessoires wie Schmuck, Spiegel und Kämme. Im 19. Jh. beginnt auch in der osmanischen Mode die Öffnung nach Westen. Anhand der Beispiele ist zu beobachten, wie die Kleider sich zunehmend europäischen Vorbildern annähern, ohne die traditionelle Muster und Schnitte völlig aufzugeben. Der zweite Raum im 1. OG. entspricht dem repräsentativen Lebensbereich der Sultane und Prinzen. Neben prächtigen Kaftanen und Hosen können hier die Kopfbedeckung der Sultane studiert werden, denn mehr als die Schnitte der Bekleidung unterlagen die Formen der Turbane dem Wandel der Mode.

© Museum für Angewandte Kunst Frankfurt. Mustafa II. Istanbul, 1703-30. Levnî .Gouache und Gold auf Papier. Topkapý Sarayý Istanbul, A3109, 22a.
Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit Fachaufsätzen zu den Themen osmanische Textilproduktion, Kaftanschnitt, Kleidervorschriften, Modeaccessoires und Kopfbedeckungen. Mit dem Einzug westlicher Modeelemente in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und einem Ausblick auf die türkische Modemetropole Istanbul von heute schließt die Publikation.
Frau Deniz Erduman-Calis M.A., Mitglied unserer Gesellschaft, ist sowohl Kuratorin und Leiterin des Ausstellungsprojekts, wie auch Herausgeberin und Mitautorin des Katalogbuches. Ein wichtiger Beitrag über die Sultansportraits stammt von Prof. Dr. Hans Georg Majer, ebenfalls unser Mitglied. Museum für Angewandte Kunst Frankfurt, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt, www.angewandtekunst-frankfurt.de.


