So heißt eine Liste, in der alle Mitglieder – um gegenseitige Kontakte zu fördern – ihre speziellen Interessen auf dem Gebiet der Islamischen Kunst und Kultur angeben und auch andere Anmerkungen zu ihrer Person machen können. Wir möchten in unserer Website Mitglieder und ihre Aktivitäten vorstellen, die über eine vereinsinterne Bedeutung hinausgehen.
(1) Manfred Bumiller und sein Universitätsmuseum Islamische Kunst in Bamberg
Seit fünfzehn Jahren hat die „Faszination Weltkulturerbe” ein Museum, das nicht so recht in den Kontext der „Barockstadt, Bierstadt, Bistumsstadt, Gärtnerstadt” – dies einige der selbst gewählten Attribute der Kulturstadt Bamberg – zu passen scheint. Über 5 500 Objekte umfasst die Bumiller
Collection, von denen über 4 500 in drei Etagen zweier excellent restaurierter Bürgerhäuser mitten in der Bürgerstadt ausgestellt sind – ca. 100 Meter entfernt von der Otto-Friedrich-Universität, die mit der Stiftung Bumiller Art Foundation im Jahre 2008 einen Kooperationsvertrag abschloss. Der in Liechtenstein zum Schutz vor fremdem Zugriff angesiedelten Stiftung gehört praktisch alles, was Manfred Bumiller einst besaß oder finanzierte: die Grundstücke, das Sammlungsgut incl. Bibliothek sowie die gesamte Einrichtung des Museums. Nach der Satzung kann die Stiftung auch künftig nicht mehr reprivatisiert werden. Sie fällt bei Mittellosigkeit der Stiftung kostenlos einer Organisation zu, die Lehre und Forschung sowie den öffentlichen Zugang zur Sammlung garantiert.Bumiller, geboren 1928 in Neuss am Rhein (dem 16 v.Chr. von römischen Soldaten gegründeten Novaesium), widmete sich an der Universität zu Köln dem Studium der Wirtschaftswissenschaften, das er 1952 als Dipl.-Kfm. und 1953 als Dipl.-Volkswirt abschloss. Seit 1958 als Steuerberater tätig, war er im Laufe der Jahre derart erfolgreich, dass er allein für den Erwerb und die Restaurierung des aus dem 16. Jh. stammenden großen Bürgerhauses sowie eines benachbarten Grundstückteils hohe Millionenbeträge aufwenden konnte. Der Bayerische Staat in Gestalt des damaligen Staatsministers Zehetmair belohnte dieses Engagement 1998 mit der Verleihung der Denkmalschutz-Medaille.Mit der islamischen Kunst befreundete sich Bumiller, als ihm ein bekannter
Kunstexperte abriet, sich mit dem Sammeln von Gemälden des 19.Jh. zu beschäftigen, ihn gleichzeitig mit islamischer Keramik bekannt machte und empfahl, sich dem bis dato in Europa unbestellten Feld islamischer Metallarbeiten zu widmen. Das war 1980, und am Ende des nächsten Jahres gab es bereits 43 Objekte im Münchner Büro des Steuerberaters. Die folgenden 10 Jahre bezeichnet der Sammler als seine Lehrjahre, in denen er zunehmend Sachverstand gewann, aber auch manchen Fehler machte. Ganz wichtig war es zu lernen, wie man mit Händlern umgeht und den Tücken des Kunstmarktes auszuweichen. Inzwischen hatte er sich auf die selteneren frühen Metallobjekte aus der Zeit vom 7. bis 13. Jh. konzentriert. Irgendwann wuchs die Anzahl der Stücke über eine provisorische Verwahrung hinaus. Auch entstand der Wunsch, das Material der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Seine spezielle Art zu sammeln – Bumiller nennt es das „Briefmarken-Sammler-Prinzip” – hielt ihn davon ab, seine Schätze einem Museum anzuvertrauen, wo ihnen lediglich ein Dasein im Depot sicher war. Er sammelt nämlich vergleichbare Objekte, bei denen es ausschließlich um Entwicklungsreihen geht und deren Vollständigkeit vor der Seltenheit oder dem Erhaltungszustand der Objekte rangiert. Der Stolz nahezu aller sonstigen Museen ist dagegen das hochwertige und möglichst einmalige Einzelstück.Schon lange hatte das Institut für Islamische Kunstgeschichte und Archäologie der Universität Bamberg die Eignung der Bumiller Sammlung als
wertvolles und besonders umfangreiches Anschauungsmaterial für seine Studenten erkannt, sodass die alten, prächtigen Räume in der Austraße Schauplatz vieler Seminarveranstaltungen und Übungen an Objekten wurden. An der Universität Bamberg war 1988 eine Stiftungsprofessur für Islamische Kunstgeschichte und Archäologie eingerichtet und bis 1993 mit wechselnden Gastdozenten besetzt worden. Mit der Umwandlung in eine feste Professur vertrat Prof. Dr. Barbara Finster das Fach ab 1995. Ihr folgte auf dieser Stelle Prof. Dr. Lorenz Korn; beide sind Mitglieder unserer Gesellschaft. Die Universität bedankte sich bei Manfred Bumiller im Jahre 2002 mit der Verleihung der Würde eines Ehrensenators; die Sammlung umfasste übrigens damals 4 200 Objekte.Im folgenden Jahr erkannten auch die Stadtoberen Bambergs, welcher Schatz der Gemeinde 1995 mit der Eröffnung des Museums zugefallen war. Mit dem Besuch eines von der Universität 1992 ausgerichteten Orientalistentages Bamberg reifte Bumillers Entschluss, Bamberg den Vorrang vor andern möglichen Standorten zu geben. Die Stadt verlieh ihm dafür 2003 die Stadtmedaille, und seitdem verzeichnet das Goldene Buch Bambergs auch den Namen Bumiller. Der Sammler lebte übrigens zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwanzig Jahren in Italien.
Anfang Juni 2010 besuchten einige Mitglieder des Lions-Clubs München-Würmtal das Museum. Der Club hatte die Gesellschaft der Freunde Islamischer Kunst und Kultur e.V., München, mehrfach bei Druckvorhaben finanziell unterstützt. Manfred Bumiller führte die Gruppe durch sein Haus und berichtete über die Restaurierung der alten Architektur, über die Stiftung und natürlich ausführlich über besonders interessante Sammlungs-Objekte und ihre Erwerbsgeschichte.
Der Club bedankte sich mit einer bronzenen Öllampe
aus dem 13. Jh., zu der es ein Gegenstück in den Sammlungen gibt (Inv.Nr. BC-088).
Die Sammlungen sind bereits zu einem beträchtlichen Teil veröffentlicht, doch kommen die Kataloge dem unverminderten Sammlungseifer Bumillers nicht nach. Ein Desideratum ist im übrigen die Herausgabe der bisher nur in deutscher Sprache vorliegenden Bände in Englisch, um sie der internationalen Forschung leichter zugänglich machen zu können.
Kataloge des Universitätsmuseums Islamische Kunst in Bamberg
Bumiller-Collection – Schriften zur Islamischen Kunst- und Kulturgeschichte (Bd. 1-3), bzw. Schriften des Museums für Frühislamische Kunst in Bamberg – alter Name – (Bd. 4-7). Bände 2 bis 6: Typologien Frühislamischer Bronzen. Band 7 – wegen des z.Zt. noch unvollständigen Forschungsstandes – keine Typologie, sondern „erste Katalogisierung”. Autoren bzw. Co-Autoren: wechselnd die verdienstvolle damalige Kuratorin der Sammlungen, Frau Dr. Monika Dahncke, Hamburg, Manfred Bumiller selbst sowie Prof. Dr. Josef Riederer vom Rathgen-Forschungslabor Berlin, das die Metallanalysen durchgeführt hatte.
Zwischen ca. 40 und 350 Seiten mit vielen s/w Photos, in Bd. 7 meist farbige Abbildungen, Umzeichnungen, Tabellen der Händler und Analyseergebnisse, Bibliographie. Auflagen zwischen 300 und 1000 Exemplaren. Bezug auch über das Museum.
Band 1 „Frühislamische Bronzen der Bumiller-Collection”, Panicale 1988
Band 2 „Bronze-Öllampen”, Panicale 1992
Band 3 „Flügelschalen und Flakons”, Panicale 1993
Band 4 „Tierkopf- und Öllampen-Kannen”, Bamberg 1994
Band 5 „Enghalsflaschen”, Bamberg 1997
Band 6 „Tropfenförmige Anhänger”, Bamberg 1999
Band 7 „Frühislamische Kleinformate”, Bamberg 2002
Band 8 „Frühislamische Bleiobjekte” – geplant für 2010
Band 9 „Typologie frühislamischer Tiegel” – geplant
Adresse und Öffnungszeiten
Austraße 29 (Eingang Hasengasse), 96047 Bamberg
Mai bis Oktober Sa 14 – 17 Uhr, So 15 – 17 Uhr, Telefon 0951- 2 59 54, oder Professor Dr. Lorenz Korn, Telefon 0951-863 2182 (Universität Bamberg). www.uni-museum-islamische-kunst.de (s.auch Link-Liste Website der Gesellschaft), E-Mail: Bumiller-collection@uni-museum-islamische-kunst.de
Ankäufe durch das Museum
Das Universitätsmuseum ist sehr daran interessiert, einzelne Objekte oder auch kleinere Sammlungen der frühislamischen Kunst (7.-13. Jh.) käuflich zu erwerben.
Kontakt: Senator h.c. Manfred Bumiller, Postbox 14, I-06068 Tavernelle/PG, Telefon 0039-075-83 58 507 oder Frau Nicky Sackerlotzky, Telefon 0039- 338-224 5057.
aus dem 13. Jh., zu der es ein Gegenstück in den Sammlungen gibt (Inv.Nr. BC-088).

