Wir freuen uns, dass Herr Professor Dr. Johann Christoph Bürgel, Lörrach, wieder einmal Gast der Gesellschaft ist. Er widmet sich in seinem Vortrag am
Mittwoch, dem 1. Februar 2012 um 19 Uhr
“Goethes Zwillingsbruder”, dem wohl 1320 in Schiras geborenen persischen Dichter Shams al-Din Muhammad, genannt HAFIS.
Himmliche und irdische Trunkenheit.
Hafis’ Dichtung und das Problem ihrer Deutung
Wir laden Sie und Ihre Freunde zu diesem Vortrag im Internationalen Begegnungszentrum der Wissenschaft (IBZ) in der Amalienstraße 38, 80799 München, herzlich ein. Im Rahmenprogramm singt Ulrike Buchs-Quante (Alt) Lieder von Robert Schumann und Franz Schubert nach Texten von Friedrich Rückert und Johann Wolfgang von Goethe. Am Klavier begleitet Ellen Kaufmann.

Aus einem Diwan mit Gedichten von Hafis, ca.1527. Fogg Art Museum of Art, Harvard University
Der 1389 gestorbene Hafis ist mit seiner Botschaft wohl der umstrittenste unter den großen Dichtern Irans. Sind Wein und Rausch Metaphern für Gottesberauschtheit, ist seine Liebe zum Schenkenknaben ein Bild für die mystische Gottesminne der Seele, oder sind alle diese Szenen, diese Vokabeln rein sensualistisch gemeint? Bedeuten sie vielleicht beides gleichzeitig? Hafis selber bezeichnet sich als einen “Ketzer der Liebe”; der Sinn dieser Worte hängt wiederum davon ab, was “Liebe” bei Hafis bedeutet.
Wie in einem Prisma spiegeln sich in der Dichtung des Hafis und ihren Deutungen verschiedene geistige Strömungen der islamischen Welt von damals und heute. Das ist es – neben der Schönheit, dem gedanklichen Reichtum und Tiefsinn dieser Dichtung, was den Umgang mit ihr so fesselnd macht.
Professor Bürgel, geb. 1931 in Schlesien, studierte Islamwissenschaften von 1954 bis 1960 in Frankfurt, Ankara, Bonn und Göttingen. Dort wurde er 1960 promoviert und habilitierte sich 1968. Er lehrte dann zunächst an der Georg-August-Universität Göttingen, wurde 1970 an die Universität Bern berufen und war dort bis zu seiner Emeritierung 1995 Direktor des Instituts für Islamwissenschaften. Bürgel erhielt 1983 den Rückert Preis der Stadt Schweinfurt für seine Übersetzungen aus dem Arabischen und Persischen. 1993 ehrte ihn die Stadt Bern mit ihrem Literaturpreis. Professor Bürgel ist Mitglied unserer Gesellschaft.
************************************

Hafis. Eine Sammlung Persischer Gedichte, übertragen von G.Fr.Daumer (1846). Buchausstattung F.H.E.Schneitler, Eugen Diederichs Jena
In einem Beitrag zum demnächst erscheinenden Band
EOTHEN V
Münchner Beiträge zur Geschichte der Islamischen Kunst und Kultur
(dem früheren Jahrbuch der Gesellschaft) befasst sich auch unser Vorstandsmitglied Prof. Dr. Mehr Ali Newid mit dem Dichter: “Hafis und die anderen, ein kurzer Überblick”. Newid bemerkt, Hafis gehöre zweifelsohne zu den schillernsten Figuren der persischen Dichtung. “Kein anderer Diwan wurde so oft gedruckt, wie der seinige, der neben der Heiligen Schrift der Muslime in jedem Haus zu finden ist. Kein anderer Dichter zog die Aufmerksamkeit der Menschen, ob Laien oder Gelehrte, so sehr auf sich wie Hafis, dessen Ghaselen bis zum heutigen Tag Gegenstand der Diskussion sind, zumal sie nach Ansicht mancher Forscher viele ungelöste Rätsel und zahlreiche Geheimnisse in sich bergen”.
Natürlich wurde Hafis in alle Weltsprachen übersetzt. In Deutschland begann die Rezeption mit der Übersetzung von Joseph von Hammer aus den Jahren 1812/13, die 1844 in die Hände Goethes gelangte und ihn zum West-östlichen Divan anregte.



