Musik zu den drei monotheistischen Religionen

Artikel vom 13. April 2015 zuletzt geändert am 12. Juli 2016

Aus Anlass der kürzlich eröffneten Ausstellung im Bodemuseum Berlin „EIN GOTT“ (s. Ausstellungen) lohnt ein Blick auf die „Musikszene“, die in zunehmender Vielfalt die Musik der drei monotheistischen Religionen zum Thema hat.

JÉRUSALEM. La Ville des deux Paix: La Paix céleste et la Paix terrestre.

JÉRUSALEM. La Ville des deux Paix: La Paix céleste et la Paix terrestre.

Aus europäischer Perspektive:
Auf 2 CDs versammelt das Werk „JÉRUSALEM. La Ville des deux Paix: La Paix céleste et la Paix terrestre“ insgesamt 52 Musikstücke, die mit den Fanfaren von Jericho beginnen und über arabische, armenische, jüdische (ergreifend das Gebet für die Toten von Auschwitz) und mittelalterliche christliche Gesänge und Musikstücke einen breiten Bogen über die orientalische und alte westliche Musikwelt spannen. Jordi Savalle hat dazu seinem Ensemble eine Reihe von „native singer“ und Musiker angegliedert, die für ein völlig authentisches Musikerlebnis sorgen; ich hatte das Glück, das komplette Programm dieser CDs in Singapore live zu erleben. Siehe auch Qantara.de

„Jordi Savall gehört zu den vielseitigsten Musikerpersönlichkeiten seiner Generation – ein Künstler, der als Gambist, Pädagoge, Initiator von Musik- und Kulturprojekten sowie als Dirigent mit unverwechselbarem Interpretationsstil frühzeitig zu einem der Hauptakteure der historisch informierten Aufführungspraxis avancierte und diese Position bis heute innehat. Schließlich ist es dem gebürtigen Katalanen zu verdanken, dass die nahezu gänzlich in Vergessenheit geratene Viola da gamba, die noch Leopold Mozart zu »den anmutigsten Instrumenten« überhaupt zählte, bald jedoch nur noch wenigen Liebhabern bekannt war, seit den 1970er-Jahren wieder große Verbreitung gefunden hat“.

Hier sind die Daten der CDs, die Savalle in seiner eigenen Plattenfirma AliaVox produziert:
L. Elmalich, M. Shanin Khalil, R. Amyan, B. Olavide, Ll. Vilamajó, M. Mauillon
Y. Dalal, G. Mouradian, O. Bashir, A. Lawrence-King
LA CAPELLA REIAL DE CATALUNYA. AL-DARWISH
HESPÈRION XXI
Montserrat Figueras
Direction : Jordi Savall
– Date et lieu d’enregistrement : Collégiale de Cardona (Catalogne). L’église de Saint-Pierre-aux-Nonnains. L’Arsenal de Metz. L’Abbaye de Fontfroide 2007-2008
– Formats disponibles : 2 SACD Hybrid Multichannel Stereo
– Langues du livret : English, Spanish, French, German, Italian, Catalan, Hebrew, Arab.
– Date de parution : 27/11/2008
Ein 432 Seiten starkes „booklet“ erläutert das Programm in den o.g. 8 Sprachen

Aus orientalischer Perspektive:
Das Pera Ensemble tourt seit Jahren erfolgreich durch Europa. Ihm bescheinigt die Kritik »eine raffinierte Mischung der Aromen, eine wechselseitige Durchdringung und Bereicherung der Klangwelten« (Mitteldeutsche Zeitung). Das Ensemble ist nach einem Istanbuler Stadtteil benannt, den Levantiner und Ausländer Pera, „jenseits des Goldenen Horns“, nannten; er ist seit über 1000 Jahren ein Schmelztiegel der Kulturen und Religionen. Das spiegelt sich auch in der Besetzung wider, denn im Ensemble treffen international renommierte Spezialisten der historischen Aufführungspraxis aus Europa auf die Elite der türkischen Kunstmusik. Das Ergebnis ist Weltmusik im besten Sinne, wenn auch mit deutlichen türkischen Akzenten.
Verstärkt durch Musiker und Sänger des jeweiligen Konzertortes (auch z.B. Kirchenchöre) werden Konzerte unter dem Titel „TRIALOG. Music for the One God“ veranstaltet. Aus einer Besprechun der CD, die das Programm wiedergibt:

Glaube ohne Grenzen
Mit den Vorgängeralben „Baroque oriental“ und „Café“ sowie zahlreichen Konzertauftritten hat sich das Pera Ensemble (<<< hier hören Sie eine Kostprobe) einen Namen für die musikalische Verbindung von Morgen- und Abendland gemacht. Hierbei viel mehr zu bieten als reizvolles, aber letztlich willkürliches „Crossover“, ist das Verdienst des Ensembleleiters Mehmet Yesilcay, der sich bei seinen Konzepten von den gemeinsamen geschichtlichen Wurzeln inspirieren läßt. Die entstehenden Kombinationen von ansonsten entfernten Klangwelten wird so zur Einfühlung in Verbindungen, die es in vergangenen Jahrhunderten womöglich tatsächlich – etwa auf den Straßen östlicher Mittelmeerhäfen – gegeben haben könnte.

Das neue Album „Trialog“ betritt neues, religiöses Terrain, und auch hier gibt es eine gemeinsame, abrahamitische Wurzel, durch welche die verschiedenen Glaubensrichtungen sich letztlich auf ein und denselben Gott beziehen. Aus diesem Grunde wird in „Trialog“ neben dem Christentum und dem Islam auch jüdische Musik einbezogen. Wer ein lebendiges Bild für dieses Miteinander sucht, schaue nach Istanbul, das seit über 1000 Jahren ein Schmelztiegel ist – und Wiege der Kulturen war: Byzanz als Zentrum christlichen Glaubens und später Hauptstadt des osmanischen Reiches, das auch die sephardischen Juden nach ihrer Vertreibung aus Spanien Ende des 15. Jahrhunderts aufnahm“.