Das türkische Wort sofa bezeichnet einen Raum, regelmäßig im ersten Stockwerk eines anatolischen Hauses, von dem aus weitere Räume erreichbar sind – weshalb mansofa auch mit “Diele” übersetzten kann.

Turkish House. In search of spatial Identity
Das sofa öffnet sich insbesondere meist zu einem größeren Raum an der Frontseite des Hauses, der an drei Seiten mit Polstern (türk. sedir) – regelmäßig unterhalb der Fenster – ausgestattet ist; auch dieser Raum wird sofa genannt, wohl weil er nahtlos von der „Diele” abgeht. Der Name des Raumes mit den Polsterbänken gab schließlich unserem Polstermöbel den Namen. Pars pro toto auf den Kopf gestellt!
In seinem Buch Turkish House. In search of spatial Identity (³1988, Istanbul) geht Prof. Önder Küçükerman ausführlich den Zusammenhängen zwischen Zelt und Haus nach, und untersucht die Anordnung der Räume im anatolischen Wohnhaus. Den Raum sofa vergleicht er mit dem öffentlichen Platz zwischen mehreren Zelten, die ebenfalls eine Verteilerfunktion hatten. Die „Vorfahren” der Polsterbänke waren im Zelt noch die textilen Säcke für das Hab und Gut der Nomaden. Das Titelbild seines Buches zeigt ein Haus (wohl aus dem 19. Jh.) im Ort Safranbolu (früher Dadibra, Zalifra), einer Kleinstadt im nördlichen zentralen Anatolien, dessen Fachwerkarchitektur zum Weltkulturerbe gehört.
Das sofa (rechts) des “Titel”-Hauses ist recht traditionell eingerichtet. Ein anderes Haus in Safranbolu vom Beginn des 20. Jh. hat ein sehr ungewöhnliches sofa (unten) mit einem quadratischen Bassin im Zentrum.

Das Sofa des “Titel”-Hauses ist recht traditionell eingerichtet
Stylepark ist eine international führende Plattform für Architektur und Design. Als professioneller Kurator, Dienstleister, Berater und Kommentator vermittelt das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main zwischen Herstellern, Architekten, Planern und Interessierten. Das Unternehmen bedient sich mehrerer Medien, u.a eines viermal jährlich erscheinenden Print Magazins, zum anderen eines sehr lebendigen Newsletters, über den der Interessierte weit über 40 000 Einzelinformationen über Architektur, Design – insbesondere von Möbeln – und Designer erreicht.
In der Ausgabe vom 29. November 2011 erschien der recht launig geschriebene Artikel von Thomas Wagner Die Couch. Eine psychoanalytische Fantasie, der der Frage nachging, was denn wohl ein Sofa sei, ein Möbel zum geselligen Beisammensitzen oder zum individuellen Entspannen? Oder beides? Und was hat das mit Freuds Couch und dem Orient zu tun?
Mir schien, dass dieser Artikel nicht schlecht in unsere Website passt. Nicht so sehr weil darin einige Gemälde des 19. und 20. Jh. mit zum Thema passenden Polstermöbeln abgebildet sind, sondern weil zum einen einige schöne Gemälde des Orientalismus, etwa von Liotard oder Schroeder, zu sehen sind.

Haus in Safranbolu vom Beginn des 20. Jh.
Interessant ist zum anderen ein Foto von Siegmund Freuds Behandlungszimmer, nachgestellt im Londoner Freud Museum. Das wurde mit viel Originalmaterial im letzten Wohnhaus des Arztes in Maresfield Gardens im Londoner Stadtteil Hampstead eingerichtet. Der dort auf der Couch liegende Teppich ist offenbar ebenfalls das Original aus Freuds Wohnung und Praxis in der Wiener Berggasse 19. Dieser Teppich wurde jedoch – anders als die vom Autor verwendeten Quellen wussten – nicht in Smyrna geknüpft, es handelt sich vielmehr eindeutig um die Arbeit südwestpersischer Nomaden aus dem Umfeld von Schiras; mutmaßlich ist es ein sog. Sherkalu. Hinter der Couch hängt wohl ein Afshar, gleichfalls aus Südwestpersien.
Für die Herkunft des Wortes Sofa beruft sich Wagner auf das Deutsche Wörterbuch (DWB) der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, begonnen 1838. Das DWB sieht die Herkunft des Wortes Sofa ebenfalls im Orient und es klingt sogar ein wenig der architektonische Aspekt an. Wagners Text endet dann beim Kanapee aus dem Film The kings speech – womit wir aber endgültig den Orient verlassen.
Den Beitrag kann man hier nachlesen; Herrn Wagner und Stylepark danke ich für die Zustimmung zur Verwendung des Artikels in unserer Website. (WJP)

