Die mittelalterlichen Olifante, das neue Standardwerk von Avinoam Shalem

Artikel vom 13. Januar 2015 zuletzt geändert am 28. März 2015

Der Deutsche Verein für Kunstwissenschaft e.V. ist eine traditionsreiche Vereinigung von Kunsthistorikern und Kunstinteressierten zur Förderung der Erforschung und zur Publikation der Kunstdenkmäler im deutschsprachigen Raum.

Über 300 Publikationen hat der Verein inzwischen herausgegeben; viele gehören zu den Standardwerken des Faches Kunstgeschichte, das er durch sein über ein Jahrhundert andauerndes Wirken mitgeformt hat (Website des Vereins).

Der Verein entstand, inspiriert vom Vorbild der Monumenta Germaniae Historica, auf Initiative von Wilhelm von Bode und Friedrich Althoff in Berlin. Ziel war zunächst das Projekt eines Corpuswerks zur deutschen Kunst (Corpus monumentorum artis Germaniae, Denkmäler deutscher Kunst). Die heutige Satzung definiert die Aufgabe des Vereins als „uneigennützige Förderung der wissenschaftlichen Erforschung kunsthistorischer Denkmäler“, insbesondere der „Denkmäler deutscher Kunst“. Das ursprüngliche Vorhaben des Korpuswerks wurde im Lauf der Zeit im Rahmen überschaubarerer Einzelreihen zu ausgewählten Kunstgattungen, Epochen oder Einzelkünstlern umgesetzt. Seit 1964 werden sämtliche dieser Schriften im Deutschen Verlag für Kunstwissenschaft publiziert, der als Kooperation mit dem Gebr. Mann Verlag speziell zu diesem Zweck gegründet wurde (Wikipedia).

Zu den vielen Standardwerken, die als unentbehrliche Fundamente der wissenschaftlichen Kunstgeschichte gelten, gehört auch die vor 100 Jahren begonnene Reihe Die Elfenbeinsskulpturen, die nun mit dem Werk von Avinoam Shalem als Band 8 eine würdige Fortsetzung gefunden hat.

Die Elfenbeinskulpturen
Herausgegeben von Adolph Goldschmidt

  • Band 1
    Adolph Goldschmidt, unter Mitwirkung von Paul G. Hübner und Otto Homburger
    Die Elfenbeinskulpturen aus der Zeit der Karolingischen und Sächsischen Kaiser.
    VIII. – XI. Jahrhundert
    Berlin 1914, ²1969
  • Band 2
    Adolph Goldschmidt, unter Mitwirkung von Paul G. Hübner und Otto Homburger
    Die Elfenbeinskulpturen aus der Zeit der Karolingischen und Sächsischen Kaiser.
    VIII. – XI. Jahrhundert
    Berlin 1918, ²1970
  • Band 3
    Adolph Goldschmidt
    Die Elfenbeinskulpturen aus der Romanischen Zeit.
    XI. – XIII. Jahrhundert
    Berlin 1923, ²1972
  • Band 4
    Adolph Goldschmidt
    Die Elfenbeinskulpturen aus der Romanischen Zeit.
    XI. – XIII. Jahrhundert
    Berlin 1926, ²1975
  • Band 5
    Adolph Goldschmidt und Kurt Weitzmann
    Die byzantinischen Elfenbeinskulpturen des X. – XIII. Jahrhunderts.
    Kästen
    Berlin 1930, ²1979
  • Band 6
    Adolph Goldschmidt und Kurt Weitzmann
    Die byzantinischen Elfenbeinskulpturen des X. – XIII. Jahrhunderts.
    Reliefs
    Berlin 1934, ²1979
  • Band 7
    Ernst Kühnel
    Die islamischen Elfenbeinskulpturen. VIII. – XIII. Jahrhundert
    Berlin 1971
  • Band 8
    Avinoam Shalem unter Mitarbeit von
    Maria Glaser
    Die mittelalterlichen Olifante
    Berlin 2014
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Avinoam Shalem: Die mittelalterlichen Olifante.

Sämtliche weltweit noch existierende hochmittelalterliche Olifante werden im vorliegenden kritischen Katalog sowie in einem großformatigen Tafelband umfassend dokumentiert. Die fachübergreifende Diskussion im Monografie-Teil eröffnet der Forschung innovative Perspektiven.Olifante sind aus Elefantenzähnen geschnitzte, meist reich mit wilden und fantastischen Tieren dekorierte Blasinstrumente aus dem westlichen, byzantinischen und islamischen Kulturkreis. Ausgehend von der Geschichte der wissenschaftlichen Betrachtung dieser Kunstwerke als Objekte werten die einleitenden Textkapitel die Olifante nicht nur als visuelle Quelle zur Geschichte der Elfenbeinschnitzerei, sondern diskutieren neben Besonderheiten des Materials, Herstellungstechnik, Stilgruppen und Ikonografie vor allem ihren ursprünglichen Gebrauch und ihre Bedeutung einschließlich magischer Assoziationen. Auch ihre spätere Verwendung und die Rezeption ihres Klangs – der auf beiliegender CD im Original zu hören ist – werden eingehend behandelt. Dabei rückt geografisch der Mittelmeerraum als Zentrum des kulturellen Austauschs zwischen Orient und Okzident in den Fokus. Zu innovativen Ergebnissen führt nicht zuletzt die Würdigung der archaisierenden und antikisierenden Dekorationsmotive. Denn über den Blick auf Traditionen und Ästhetik der romanischen Kunst hinaus werfen sie damit ein Licht auf das Verhältnis der Menschen romanischer Zeit zur Vergangenheit. (Verlagsankündigung)

Das Inhaltsverzeichnis gibt Hinweise auf die überwältigende Fülle von Informationen, die diese Bände enthalten;

BAND 1

TEXT (SS.9-203)
I.     Einführung Olifante und die die »Kunst des Objektes«
II.    Stand der Forschung
III.   Voraussetzungen und Intentionen des Corpus der mittelalterlichen Olifante
IV.   Das Material Elfenbein
V.    Arbeitstechniken bei der Herstellung eines Olifantes
VI.   Stilistische Gruppierung der Olifante (Behandlung von 9 Gruppen + Untergruppen)
VII.  Funktion, Gebrauch und Bedeutung
VIII. Wiederverwendung der Olifante in sakralem Kontext
IX.   Magische Aspekte der Olifante: Legenden und populäre Traditionen
X.    Der Klang der Olifante: ein historischer Überblick

KATALOG (SS. 206-512)
A.  Olifante in fatimidisch geprägtem Stil (30 Objekte)
B.  Archaisierende und antikisierende Stücke (22 Objekte)
C.  Hybride Olifante (6 Objekte)
D.  Weitere früh- und hochmittelalterliche Olifante (4 Objekte)
E.  Gotische Olifante (4 Objekte)
F.  Olifante ohne geschnitzten Dekor (22 Objekte)
Anhang A Gelegentlich als Olifante bezeichnete Elfenbeine (5 Objekte)
Anhang B Nachmittelalterliche Olifante mit Medaillondekor (5 Objekte)

QUELLEN
Literaturverzeichnis, Abbildungsnachweis, Register, Audio-CD mit Original-Tonaufnahmen

OLIFANTE

Avinoam Shalem unter Mitarbeit von Maria Glaser: Die mittelalterlichen Olifante. Berlin 2014.

BAND 2

TAFELN
DerTafelband zeigt auf 158 Seiten alle im Katalog beschriebenen Olifante und sonstigen Objekte in jeweils 1-4 großformatigen s/w Abbildungen und Detailaufnahmen.

Der Autor
Avinoam Shalem PhD, Riggio Professor für Kunstgeschichte an der Columbia University, New York, sowie Fellow am Kunsthistorischen Institut in Florenz – Max-Planck-Institut. Mitglied des Kuratoriums unserer Gesellschaft.
Von 2002 bis 2013 Professor für Islamische Kunst am Institut für Kunstgeschichte der LMU München (bis 2018 beurlaubt). Forschungen zum künstlerischen Austausch im Mittelmeerraum sowie zur Ästhetik und Geschichtsschreibung des Mittelalters. Aktuell Leitung der Forschungsprojekte Gazing Otherwise: Modalities of Seeing in Islam und Art Space und Mobility in the Early Ages of Globalization am Kunsthistorischen Institut Florenz, gefördert von der Getty Foundation.

Avinoam Shalem unter Mitarbeit von Maria Glaser
Die mittelalterlichen Olifante
Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 2014
Text- u. Katalogband: 512 S. mit 226 Abb. und CD mit Klangbeispielen, 24 × 32 cm,
Tafelband: 158 S. mit 371 Abb., 36 × 46 cm,
Ln, ISBN 978-3-87157-235-7,
250,00 € [D] | 313,00 SFR [CH]