Mathias Énard: Kompass

Artikel vom 9. Dezember 2016 zuletzt geändert am 16. Dezember 2016

Kompass Enard_000021Nachdem das Buch mit dem Orginaltitel Boussole 2015 den französischen Literaturpreis Prix Goncourt erhielt, wurde es nun auch mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2017 ausgezeichnet.

Das Buch erzählt die Liebesgeschichte des Wiener Musikwissenschaftlers Franz Ritter mit der aus Frankreich stammenden Orientalistin Sarah, mit der er Erinnerungen an gemeinsame Aufenthalte in Damaskus, Aleppo, Palmyra und Teheran teilt. Nach einer dramatischen ärztlichen Diagnose werden die durch Fieber und Angst hervorgerufenen Gedankengänge und Erinnerungen Ritters nachgezeichnet. In diese Liebesgeschichte verwoben, lassen sich alle bedeutenden Persönlichkeiten der Wissenschaftsgeschichte der Orientalistik wiederfinden. Sarah blitzt in den verschiedensten Zusammenhängen immer wieder auf und stellt dennoch die eigentliche Hauptfigur des Textes da. Der Roman besticht auch in der deutschen Übersetzung durch eine Sprache, die so klingt, als ob durch die Worte des Autors ein Gemälde entstünde. Neben verschiedenen Freunden widmet der Autor sein Buch den Syrern.

Der 1972 in Niort, Departement Deux-Sèvres, geborene Autor studierte am Institut national des langues et civilisations orientales (INALCO) in Paris die arabische und persische Sprache. Nach längeren Aufenthalten im Mittleren Osten, darunter drei Jahre in Damaskus, zwei Jahre in Beirut und ein Jahr in Teheran ging er im Jahr 2000 nach Barcelona. Dort war er Mitarbeiter verschiedener Kulturzeitschriften. Daneben ist er Mitglied der Redaktion des Pariser Projekts  für Literatur und Philosophie Inculte. Ab 2010 lehrte er Arabisch an der Autonomen Universität Barcelona, wo er heute noch lebt.
Énard war in den Jahren 2005/06 Stipendiat der Villa Medici in Rom. 2011 gründete er in Paris, zusammen mit anderen, die Grafikedition scrawitch. Im Jahr 2013/14 war er Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.
Nach ersten Werken  2003-2007 wurde er mit dem Roman Zone aus dem Jahr 2008 international bekannt; der Text ist der innere Monolog eines Kriegsveteranen aus dem Jugoslawienkrieg, der in einem einzigen Satz ohne Punkt 500 Seiten umfasst. Danach folgten weitere Werke, die z.T. auch ins Deutsche übersetzt sind (z.B. Die Straße der Diebe, 2013). Er übersetzte auch Texte aus dem Arabischen ins Französiche.
Neben dem Prix Goncourt, dem renommiertesten französischen Literaturpreis, erhielt er u.a. weitere Auszeichnungen und Ehrungen:
2004: Prix des cinq continents de la francophonie für La Perfection du tir
2004: Prix Edmée de La Rochefoucauld für das gleiche Buch
2005: Stipendium für die Villa Medici in Rom
2008: Prix Décembre und Candide Preis für Zone
2009: Prix du Livre Inter für Zone
2010: Prix Goncourt des lyceens für Parle-leur de batailles, de rois et d’éléphants
2015: Prix Goncourt für Boussole
2017: Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für Kompass

Das Buch umfasst 427 Seiten, enthält einige Abbildungen und ist unter der ISBN 978-3-446-25315-5 für 25,00 € bei Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag München erschienen.
(Sophia Hackel)