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Muqarnas

Artikel vom Samstag, 26. Dezember 2009 in Rubrik Nachrichten

Als legitimen Nachfolger der legendären Zeitschrift für die Kunst und Architektur der islamischen Länder ARS ISLAMICA 1) wird man wohl MUQARNAS. An Annual on Islamic Art and Architecture 2) bezeichnen können. ARS ORIENTALIS 3) und ISLAMIC ART. Studies on the Art and Culture of the Muslim World 4) sind aus mehreren Gründen nicht vergleichbar.

Erwähnen sollte man in diesem Zusammenhang jedoch die beiden einzigen deutschsprachigen Vertreter des Genres, die aber Geschichte sind. €

  • Zunächst Das Orientalische Archiv. Illustrierte Zeitschrift für Kunst, Kulturgeschichte und Völkerkunde der Länder des Ostens, die in den Jahren 1910 bis 1912 vierteljährlich (!) bei Hiersemann, Leipzig, erschien und von Hugo Grothe herausgegeben wurde. Sie ist in ihrem „regionalen“ Umfang – wohl der Definition des „Morgenlandes“ der DMG verpflichtet – am ehesten mit ARS ORIENTALIS vergleichbar, enthielt aber auch Elemente, für die heute andere Publikationen stehen. Die insgesamt 12 erschienen „Hefte“ gehören inzwischen zu den antiquarische Kostbarkeiten. €
  • Ferner die Kunst des Orients, begründet und einige Jahre herausgegeben von Ernst Kühnel (später von Klaus Brisch und Richard Ettinghausen) und vom Franz Steiner Verlag, Wiesbaden, verlegt, beschäftigte sich praktisch ausschließlich mit der Islamischen Kunst und Architektur. Die Zeitschrift erschien von Herbst 1950 bis 1980 in insgesamt nur 15 opulenten Heften.

Gemeinsam ist und war allen genannten Publikationen ein sehr hohes Niveau, was Redaktion, Autoren, Text, Apparat, Abbildungen und Gestaltung angeht. Die von einem prominenten Mitglied der Gesellschaft vorgeschlagene – und Ende der neunziger Jahre im Vorstand diskutierte – „Transformation“ von EOTHEN in eine Zeitschrift für Islamische Kunst, konnte angesichts solcher Konkurrenz am „Weltmarkt“ keine Chance haben – was hier schon eher als Kuriosität angefügt sein mag.

Im eben erschienen Band XXVI von MUQARNAS gibt es drei bemerkenswerte Beiträge, die für die Mitglieder der Gesellschaft interessant sind. €

  • Prof. Avinoam Shalem hat dankenswerterweise zusammen mit einem Dozenten der Universität Paris-Sorbonne, Jean-Pierre Van Staevel, einen Text herausgegeben, den Prof. Marianne Barrucand zur Grundlage ihres für den 12. Juli 2008 vorgesehenen Vortrages der Gesellschaft in der LMU konzipiert hatte. Da sie damals bereits zu krank war, um die Reise nach München anzutreten, hatte sie Avinoam Shalem gebeten, den übersandten Text zu verlesen. Am 25. Juli starb Frau Barrucand. Es handelt sich um eine vorbereitende Veröffentlichung zu dem umfangreichen Material, das der wissenschaftlichen Öffentlichkeit in einem für Ende 2009 geplanten Werk über die Ausgrabungen der Autorin in Tunesien vorgestellt werden soll. Marianne Barrucand und Mourad Rammah, Sabra al-Mansuriyya and Her Neighbors during the First Half of the Eleventh Century: Investigations into Stucco Decoration, SS. 349-376, 6 s/w Abb. und Pläne, 64 farb. Abb. €
  • In einem Cumulative (Chronological) Index of Articles werden alle in den vorangegangenen 25 Bänden von Muqarnas veröffentlichen Beiträge gelistet. Ihre Autoren sind – so könnte man etwas überprononciert sagen – durch eine Veröffentlichung in Muqarnas „zur Ehre der Altäre“ erhoben. Interessant – und für unsere zwanzigjährige Gesellschaft ehrenvoll anzumerken – ist dabei, wie viele Freunde, Referenten und Mitglieder unserer Gesellschaft sich unter den Autoren befinden; sie können leider hier nicht aufgezählt werden. €
  • Zu dieser Ehre hat es nun auch Marcus Schadl gebracht, der z.Zt. Prof. Shalem am Institut für Kunstgeschichte der LMU vertritt und bereits zweimal mit Vorträgen Gast der Gesellschaft war. In Muqarnas XXVI findet sich sein Beitrag The Shrine of Nasir Khusraw: Imprisoned Deep in the Valley of Yumgan, SS. 63-93, 21 s/w Abb. (WJP)

1) ARS ISLAMICA, die halbjährlich erschienene und zunächst 1934 von Mehmet Aga-Oglu, bald von Richard Ettinghausen, herausgegebene Zeitschrift war eine Publikation des Research Seminary in Islamic Art der Universität von Michigan in Ann Arbor. Leider stellte sie nach 16 Volumes 1951 ihr Erscheinen ein. Von wenigen Original-Einzelheften abgesehen, gibt es im Handel nur noch einen in Deutschland bei Schmidt Periodicals hergestellten Nachdruck des Gesamtwerks.
2) MUQARNAS erschien 1983 und 1984 zunächst bei Yale University Press, und wird seit 1985 von Brill, Leiden, verlegt. Der erste Herausgeber war Oleg Grabar, die derzeitige Herausgeberin ist Gülrü Necipo¢lu. Von Anfang an wurde MUQARNAS von den Aga Khan Stiftungen gesponsert. Wohl auch deshalb ist ihr edles „Outfit“ in weinrotem geprägten Ganzleinen mit Schutzumschlag einzigartig im Reigen dieser Publikationen.
3) ARS ORIENTALIS gilt zwar als die Fortsetzung von ARS ISLAMICA.. Doch umfaßt die seit 1954 und heute noch beim Department of the History of Art, University of Michigan, and the Freer Gallery of Art, Smithsonian Institution betreute, (zuletzt) jährlich erscheinende Zeitschrift „the art and archaeology of Asia, including the ancient Near East and the Islamic world“, ist also nicht primär auf die islamische Welt ausgerichtet. Als vorläufig letzter Band ist nun Volume 36 (2006) erhältlich.
4) ISLAMIC ART, von den Herausgebern Ernst J. Grube und seiner Gattin Eleanor Sims gut betreut und von Oxford University Presse verlegt, erschien erstmals 1981, sollte danach jährlich herauskommen, hat aber bisher (2001) nur fünf umfangreiche Bände erreicht; Band 6 ist für März 2010 angekündigt. Wichtig ist allerdings der Supplementband I, von Ernst J. Grube und Jeremy Johns The painted Ceilings of the Cappella Palatina (2005).


Abegg-Stiftungsprofessur

Artikel vom Samstag, 26. Dezember 2009 in Rubrik Nachrichten

Für die neu geschaffene Abegg-Stiftungsprofessur für die Geschichte der textilen Künste an der Universität Bern wurde unser Mitglied Frau Dr. Birgitt Borkopp-Restle als ordentliche Professorin bestellt. Sie hat die Stelle am Institut für Kunstgeschichte am 01. September 2009 angetreten und wird dort einen neuen Masterstudiengang aufbauen.

Birgitt Borkopp-Restle hat in Bonn Kunstgeschichte, Anglistik, Romanistik und Byzantinistik studiert. Sie arbeitete nach ihrer Promotion an diversen Museen (Museum Schnütgen in Köln, Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg, Bayerisches Nationalmuseum in München sowie zuletzt 2005 bis 2008 als Direktorin des Museums für Angewandte Kunst in Köln). In München und Köln veranstaltete sie eine Reihe von Ausstellungen, in denen sie Werke der textilen Künste, aber auch andere Gattungen des Kunsthandwerks präsentierte; auch unsere Jubiläumsausstellung 2000 in Ingolstadt erhielt durch sie ihre entscheidende Prägung. Als Lehrbeauftragte wirkte Birgitt Borkopp-Restle an den Universitäten Augsburg, Bamberg, Bonn, Dortmund, Düsseldorf und Basel.

Im Zentrum ihrer Forschungstätigkeit stehen die textilen Künste des Mittelalters und der frühen Neuzeit; Fragen der Auftraggeberschaft, der Konstruktion und Wahrnehmung von Materialität und Funktionalität gilt ihr besonderes Interesse. Die Textilforschungsgesellschaft CIETA (Centre International d’Etude des Textiles Anciens) Lyon wählte sie kürzlich zu ihrer Präsidentin. (WJP)

Wir gratulieren Frau Borkopp-Restle herzlich und wünschen für ihre Arbeit in Bern alles Gute.


“Oh you have really got a little museum!”

Artikel vom Sonntag, 25. Oktober 2009 in Rubrik Nachrichten

Annemarie Schimmel hörte diesen Ausruf wohl häufiger, wenn Besucher ihre Wohnung in Bonn betraten – und, wie sie berichtete, sie hörte ihn gern. Doch fügte sie gleich mit Understatement hinzu, sie besitze ja nur ein paar wenige Objekte – speziell islamische Kalligraphien. Islamische Mystik und islamische Kalligraphie – beides Vorlieben Annemarie Schimmels – stehen sich nahe, wie Raphaela Veit in ihrer Besprechung der Privatsammlung unseres Ehrenmitglieds zurecht, und mit Hinweis auf Frau Schimmels eigene Schriften ausführt ¹.

Doppelblatt Koran Irak/Iran 10. Jh.

Doppelblatt Koran Irak/Iran 10. Jh.

Im Testament der großen Orientalistin wurde u.a. das Linden-Museum Stuttgart bedacht. Dort befindet sich nun praktisch ihre vollzählige Sammlung von ca. hundert Kalligraphien auf Pergament, Papier und Stoff. Alle wichtigen Schriftstile aus der Zeit von 800 bis 2000, von Indien bis Marokko, sind vertreten. Etwa zwei Drittel stammen aus dem 20. und beginnenden 21. Jh. Frau Schimmel erhielt die Kalligraphien häufig als Geschenk, erwarb aber, vornehmlich während ihres Aufenthaltes in Harvard, auch selbst planmäßig vor allem ältere Stücke (9.-19. Jh.), z.B. aus der Privatsammlung Adrienne Minassian.

Kalligraphie Shams Anwari-Alhosseyni

Shams Anwari-Alhosseyni

Da Annemarie Schimmel mit vielen zeitgenössischen Kalligraphen der Islamischen Welt befreundet war, empfing sie auch einige sehr persönliche Dedikationen. So formte etwa der aus Iran stammende Shams Anwari-Alhosseyni ihren Namen in arabischer Schrift zum Bild einer Katze, die Frau Schimmel besonders liebte und über deren Rolle im Sufismus sie mehrfach geschrieben hat ².
Das Schmuckblatt des türkischen Architekten und Kalligraphen Ümran Tezcan-Schelling zeigt, dass sie auch modernste Gestaltungsformen schätzte.

Kalligraphie Ümran Tezcan-Schelling

Ümran Tezcan-Schelling

Alle Abbildungen zeigen Kalligraphien, die Annemarie Schimmel in einer kurzen Beschreibung ihrer Sammlung in englischer Sprache (9/2002) besonders hervorgehoben hat. Das Papier (im Anschluss an den Text von Frau Veit im Original wiedergegeben) befindet sich in ihrem wissenschaftlichen Nachlass, den die Universitätsbibliothek Basel verwahrt. Eine deutsche Übersetzung von Annette Hagedorn erschien in „Islamische Kunst in Deutschland“, Mainz 2004, S. 191 f. (dort auch Abbildung des Korandoppelblatts in Farbe). (WJP)

¹ Dr. Raphaela Veit (Tübingen) „1200 Jahre islamische Kalligraphie: Die Privatsammlung von Annemarie Schimmel“ in TRIBUS, Jahrbuch des Linden-Museums, Staatliches Museum für Völkerkunde Stuttgart, Band 53 – 2004, SS.153-174, 17 farb. Abbildungen. Annemarie Schimmel zur Islamischen Kalligraphie (u.a.): ISLAMIC CALLIGRAPHY, Iconography of Religions XXII,1, Leiden 1970; CALLIGRAPHY and ISLAMIC CULTURE, New York/London 1984.
² (u.a.): Annemarie Schimmel „Die orientalische Katze“, Köln 1983.


Islamische Waffen und Kostüme in Florenz

Artikel vom Freitag, 16. Oktober 2009 in Rubrik Nachrichten

Islamische Waffen und Kostüme in Florenz Nicht alle Teilnehmer an der faszinierenden Exkursion der Gesellschaft in den islamischen Orient von Florenz, der „Hauptstadt der Renaissance“, wussten, was sie am letzten Tag erwartete, als das Museo Stibbert auf dem Programm stand. Federico Stibbert (1836-1906), Enkel und Erbe eines in Bengalen am Ende des 18. Jh. zu sehr großem Reichtum gelangten Gouverneurs und „commander in chief“ der British East India Company, ließ oberhalb der Stadt vom Maler und Architekten Giuseppe Poggi ein maßgeschneidertes Schatzhaus für seine immensen Sammlungen bauen. Darin befinden sich mehr als 36 000 Kunstobjekte aller Art, darunter 12 000 europäische, asiatische und islamische Waffen, Rüstungen, Kostüme etc. aus dem 15. – 19. Jh. Das Museum am Rande eines halb verwilderten Parks gehört seit dem Tode Stibberts der Stadt Florenz.

Die einzige von Federico Stibbert selbst herausgegebene Publikation für ein Teilgebiet der Collection erschien 1915 beim Istituto Italiano d’Arti Grafiche in Bergamo mit dem Titel ABITI E FOGGE CIVILI E MILITARI DAL I AL XVIII SECOLO. Der Band im Format 36 x 29 cm hat 12 Seiten Text von Alfredo Lensi und 217 Tafeln, die Stibbert aus Manuskripten, Fresken, Gemälden und anderen Quellen zusammenstellte.

Islamische Waffen und Kostüme in Florenz Der Band ist heute z.B. über www.MareMagnum.com für ca. 800 € erhältlich. Ein anastatischer Nachdruck aus dem Jahre 1975 kostet ca. 75 € und eine ungekürzte Ausgabe bei Dover Pictorial Archives unter dem Titel „European Civil and Military Clothing“ gibt es schon ab ca. 20 € bei www.amazon.de. Diese Ausgabe enthält auch ein Vorwort von Kirsten Aschengreen Piacenti vom Museo Stibbert.

Das Museum publiziert einiger Zeit unter dem Reihentitel Rivista semestrale Broschüren mit jeweils ca. 60 Seiten zu den einzelnen Sammelgebieten. So bietet beispielsweise der Band No. 4 Turcherie aus dem Jahr 2001 nach einer Einleitung durch die o.g. Mitarbeiterin des Museums vier Beiträge in italienischer und englischer Sprache über „Toscana moresca“, „La collezione turca di Federic Stibbert“, „Tessuti e colori nel mondo islamico“ und „Incontri con la storia al Museo Stibbert: Solimano il Magnifico“ (40 s/w und 32 farb. Abb). Derzeit sind 12 Hefte über die Website des Museums www.museostibbert.it zu Preisen zwischen 14,00 bis 20,00 Euro (+ Versand) erhältlich; ferner einige ausführlichere Bildbände sowie DVD über Stibbert und seine Sammlungen.