Basiswissen Islam

Artikel vom 29. Juni 2016 zuletzt geändert am 31. Juli 2017

Hier informieren wir über die Vorträge in München, die das Basiswissen über die islamische Welt vermitteln.
Alle weiteren Vorträge finden Sie >> hier

Ohne Titel von Shirin Neshat, mit freundlicher Erlaubnis der Künstlerin und der Gladstone Gallery, New York

„Ohne Titel“ von Shirin Neshat, mit freundlicher Erlaubnis der Künstlerin und der Gladstone Gallery, New York

Viele wissen zu wenig über die islamische Welt. Falsche oder unsinnige Grundannahmen führen dazu, dass wir der islamischen Welt heute meist entweder übertrieben freundlich oder übertrieben unfreundlich entgegentreten. Das ist nicht ungefährlich.
Dem unzureichenden Wissen über die islamische Welt setzen wir sieben solide Antworten der Islamwissenschaft entgegen.

Die Vortragsreihe wurde von Prof. Dr. Andreas Kaplony, Lehrstuhl für Arabistik und Islamwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München, und unserer Gesellschaft konzipiert.

Die Vortragsreihe im Wintersemester 2016/17 war überaus erfolgreich: wir konnten zu jedem Vortrag mehr als 600 Zuhörer begrüßen und hatten deshalb beschlossen, die Reihe im Wintersemester 2017/18 fortzusetzen. Hier folgt nun die Ankündigung aus der Website des Instituts für den Nahen und Mittleren Osten der LMU. Konzipiert wurde die Vortragsreihe von Prof. Dr. Ronny Vollandt, Professur für Judaistik.

Alle Vorträge finden donnerstags um 19:15 Uhr
im Audimax (A030) des Hauptgebäudes der LMU statt;
sie sind öffentlich und unentgeltlich.
(Die Illustratonen zu den Ankündigungen stammen nicht von den Refernten)

Basiswissen Islam 8 – Körper im Visier: Zur Politisierung islamischer Praxis in Europa

Prof. Dr. Schirin Amir-Moazami (Freie Universität Berlin), Donnerstag, 9. November 2017

Islamische Körperpraktiken wie die Verschleierung, das rituelle Gebet oder auch die männliche Beschneidung sind in westeuropäischen Einwanderungsgesellschaften in den vergangenen Jahrzehnten vermehrt ins Visier öffentlicher Diskussionen geraten. Sie sind Gegenstand politischer Kontroversen, wissenschaftlicher Vermessungen und rechtlicher Regulierungen. Der Vortrag nimmt dieses geballte Interesse am Körper des Anderen zum Anlass, um eine Verschiebung der Fragerichtung anzuregen. Anstatt erneut den Motiven und Traditionen islamischer Körperpraktiken nachzuspüren, fragt der Vortrag, warum, unter welchen Bedingungen und mit welchen Beweggründen es in europäischen Öffentlichkeiten vermerkt zur wiederholten Markierung bestimmter Körper gekommen ist, welche Fragen wie gestellt werden und wie die Fragerahmungen das Sprechen ermöglichen oder begrenzen.

Basiswissen Islam 9 – Die Scharia: Entstehungsgeschichte, Interpretationen und Kontroversen

PD. Dr. Christian Müller (Institut de recherche et d’histoire des textes, Paris), Donnerstag, 16. November 2017

Frommen Muslimen gilt die Scharia als eine Sammlung von Rechten und Pflichten, die sehr konkret den Alltag und das soziale Leben regelt: von der religiösen Praxis, Speisegeboten, Familien- und Erbrecht bis zu Strafbestimmungen. Hierbei kann Scharia als religiöse Pflichtenlehre oder aber als anzuwendendes Recht verstanden werden. Der Vortrag möchte genauer angeben, wie sich das Konzept der Scharia historisch entwickelte, auf welche Quellen sie gründet und was sie genau regelt. Hierbei bestehen neben dem Gegensatz zwischen Sunniten und Schiiten auch innerhalb des sunnitischen Islam Kontroversen zwischen traditionalen Rechtsschulen, deren wahhabitischen Gegnern sowie sich als frühislamisch proklamierenden Salafisten.

 

Basiswissen Islam 10 – Die Situation der Christen im Orient heute

Prof. Dr. Martin Tamcke (Universität Göttingen), Donnerstag, 23. November 2017

Der Vortrag wird in einem ersten Schritt kurz einen Überblick über die mehr als zwanzig christlichen Konfessionen des Orients und ihr religiöses und ethnisches Profil geben. In einem zweiten Schritt wird kurz deren jüngere Geschichte als Verstehensgrundlage für gegenwärtige Optionen und Ausgangslagen skizziert, um im dritten Schritt die derzeitige Lage exemplarisch zu umreißen und die wichtigsten Fragen infolge der gegenwärtigen Situation zu erheben. Der vierte Schritt versucht abschließend die Bedeutung der Christen für den Mittleren Osten zu bestimmen und die Chancen, die es für ihren Verbleib in der oder für ihre Rückkehr in die Region geben könnte.

Basiswissen Islam 11 – Islam in der Türkei und türkischer Islam

Prof. Dr. Christoph Neumann (LMU, München), Donnerstag, 30. November 2017

Für viele gläubige Muslime ist es eine Provokation vom „türkischen Islam“ zu sprechen, denn die Religion hat universalen Anspruch. Trotzdem: wie der Islam begriffen und gelebt wird, hat in der Türkei sehr spezifische Formen angenommen. Das hängt einerseits damit zusammen, dass die anatolischen Aleviten eine besondere Gemeinschaft sind, andererseits der sunnitische Islam seit der osmanischen Zeit eng in Verbindung mit dem Staat steht. Das prägt auch den Laizismus der Republik – bis heute, wo der Islam auch politisch eine wichtige Rolle spielt.

Basiswissen Islam 12 – Einheit, Vielfalt, Toleranz: Der Umgang mit dem Anderen im Islam

Prof. Dr. Gudrun Krämer (Freie Universität Berlin), Donnerstag, 7. Dezember 2017

Die moderne, freiheitliche Gesellschaft ist stolz auf ihre Fähigkeit, mit ganz unterschiedlichen Überzeugungen und Lebensentwürfen friedlich umzugehen. Wichtige muslimische Gemeinschaften scheinen sich heute in eine andere Richtung zu bewegen. Der Islam sieht, wie andere Religionen auch, Einheit als Ideal. Zugleich entwickelten Muslime über die Jahrhunderte aber sehr unterschiedliche Vorstellungen vom rechten Glauben und vom richtigen Leben. Um die Spannung zwischen Einheit und Vielfalt und die Möglichkeiten von Toleranz und Anerkennung geht es in diesem Vortrag.

 Basiswissen Islam 13 – Der Koran, Gewalt im Koran – und wie damit umgehen?

Prof. Dr. Andreas Kaplony (LMU, München), Donnerstag, 14. Dezember 2017

Im ersten Teil des Vortrags lernen wir den Koran kennen, eines der weltweit einflussreichsten Bücher: Ort und Zeit seiner Entstehung, die innere Gliederung und seine zentralen Argumente. Zweitens geht es konkret um Gewalt im Koran: die Androhung von Gewalt allem Schlechtem gegenüber, die Beschreibung von Gottes Wirken in Natur und Geschichte, die Darstellung der Hölle und die gelegentlichen emotionalen Ausbrüche. Drittens denken wir darüber nach, wie man mit diesen Gewaltszenarien umgegangen ist und heute umgeht. Wir schließen mit einigen konkreten Empfehlungen.

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27. Oktober 2016, Hörsaal M 018
(1) Die Vielgestaltigkeit der Islamischen Welt: ein Überblick
Prof. Dr. Andreas Kaplony, LMU München

Die Islamische Welt ist in sich reich gegliedert, reicht sie doch von Marokko bis  China und Indonesien und vom Balkan bis  Nigeria und Tansania – und dazu kommt die Diaspora in Amerika und Europa. Der Vortrag gibt einleitend einen gewichteten Überblick über die grossen Sprach- und Kulturfamilien, bespricht die vier wichtigsten, ganz verschiedenen Arten des heutigen Islams und erklärt schliesslich, welche Rolle (neben den häufig nur schlecht funktionierenden Staaten) die ethnisch-religiösen Verbände spielen.

3. November 2016, Hörsaal B 201
(2) Der Koran und die Bibel: zwei (un)gleiche Offenbarungsschriften
Prof. Dr. Ronny Vollandt, LMU München

Der Koran versteht sich selbst als das letzte vollkommene Glied in einer
Kette göttlicher Offenbarungen. Er ist sich seiner Anbindung an die
beiden früheren monotheistischen Religionen (Judentum und Christentum)
wohlbewusst und spielt auf Erzählungen und Protagonisten der
Vorgängerreligionen und deren Offenbarungsschriften absichtlich an. Wie
also kommen Kain und Abel, Joseph und seine Brüder, oder Moses und
Aharon in den Koran?

10. Nov. 2016, Audimax A 030
(3) Von Marokko bis Uzbekistan: wer sind eigentlich die Araber?
Prof. Dr. Andreas Kaplony, LMU München

aus: Gustave le Bon, La Civilisation des Arabes, Paris 1884

aus: Gustave le Bon, La Civilisation des Arabes, Paris 1884

Dauernd in den Medien, ist die Arabische Welt doch bei uns so gut wie
unbekannt. Der Vortrag gibt einen Überblick über die fünf Teile der
Arabischen Welt und behandelt die Herkunft der Araber. Wir nennen die
Gründe für den Aufstieg des Arabischen zu einer Weltsprache (und des
Islams zu einer Weltreligion) und gehen auf die besondere Rolle des
Arabischen als Leitsprache der Islamischen Welt ein. Abschliessend
erhalten Sie anhand der vielen arabischen Wörter im Deutschen einen
Einblick in die Struktur der arabischen Sprache.

Der Kadi

Der Kadi

 

fiel leider aus!

17. November 2016, Audimax A 030
(4)
Das Islamische Recht: der Kern der islamischen Kultur?
Dr. Sabrina Sohbi, LMU München

„Islamisches Recht“ ist die Übersetzung von mindestens zwei arabischen Begriffen: „Scharia“ und „Fiqh“, umfasst also religiöse, juristische, ethische und kulturelle Aspekte. Können wir da voneinem einheitlichen Rechtssystem sprechen?

 24. November 2016, Audimax A 030

(5) Islamismus, Salafismus, Dschihadismus: ein Überblick
Dr. Guido Steinberg, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin

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Der heutige Islamismus ist das Ergebnis von Reformbestrebungen in der arabischen Welt und in Südasien, die schon im 18. Jahrhundert einsetzen.
Guido Steinberg gibt einen historischen Überblick über die wichtigsten Bewegungen des 18. und 19. Jahrhunderts und schildert die Entstehung und Geschichte der Muslimbruderschaft in Ägypten und anderen Ländern. So zeigt er auf, wie islamische Reform in den letzten Jahrzehnten in den
Aufstieg der Salafisten mündet und die Jihadisten von al-Qaida und dem IS in den Jahren seit 2001 Weltgeschichte schreiben.

 

01. Dezember 2016, Audimax (030)

(6) Politiken des Schleiers in der arabischen Welt
Lic. Sahra Farag, Universität Zürich

Vor der Mauer der früheren US Botschaft in Teheran (phot. Sophia Hackel 10/16)

Vor der Mauer einer Kirche in Teheran (phot. Sophia Hackel 10/16)

Verschleierung von Frauen – ob Kopftuch oder Burka – führt in westlichen Ländern regelmässigzu politischem Streit. Wie aber sieht die Situation in arabischen Ländern aus? Welche Praktiken der Verschleierung existieren dort? Und wer streitet aus welchen Gründen darüber? Der Vortrag soll einen Überblick über die neuere Geschichte und die aktuelle Situation geben.

 

 

08. Dezember 2016, Audimax A 030
(7) al-Qaida, der „Islamische Staat“ und die Utopie des islamischen Kalifats
Dr.des. David Arn (LMU München)

Das „Islamische Kalifat“ des IS gilt als Inbegriff einer islamistischen
Terror-Herrschaft. Was aber hat es mit der Wiederbelebung dieser
islamischen Herrschaftsform auf sich? Warum beabsichtigen
dschihadistische Gruppierungen wie die Qaida oder der IS die Etablierung
dieses Kalifats? Und inwiefern stimmen deren Vorstellungen mit dem
historischen Kalifat überein? Vor diesem historischen Hintergrund möchte
der Vortrag Anspruch und Wirklichkeit des IS-Kalifats beleuchten.

 

Ajad, aus einer Portraitserie, 2016, mit Text aus den Ghaselen des Qasem Anwar; mit freundlicher Erlaubnis des Portraitierten und der Photographin Sophia Hackel

Ajad, aus einer Portraitserie, 2016, mit Text aus den Ghaselen des Qasem Anwar;
mit freundlicher Erlaubnis des Portraitierten und der Photographin Sophia Hackel

Auch die die Vortragsreihe 2017 wendet sich ausdrücklich an die breite Öffentlichkeit, an Menschen aller Religionen und Weltanschauungen; die Vorträge sind für jeden verständlich. Und zur Repetition dürfen auch unsere Studenten gerne kommen …

Die Vorträge finden donnerstags um 19:15 Uhr in dem beim jeweiligen Vortrag genannten Hörsaal des Hauptgebäudes der Ludwig-Maximilians-Universität München, Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München statt; sie sind öffentlich und unentgeltlich, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Sie erreichen das Hauptgebäude mit den U-Bahnlinien 3 und 6, Haltestelle Universität.

Alle Vorträge können etwa eine Woche nach dem Termin unter https://videoonline.edu.lmu.de/
angesehen werden; Stichwort Basiswissen Islam.

Kontakte
– LMU: Prof. Dr. Andreas Kaplony, andreas.kaplony@lmu.de
www.naher-osten.lmu.de

– Gesellschaft der Freunde:
Max Leonhard, mamoleonhard@web.de
oder Werner Joseph Pich, gdf@wpich.eu
www.freunde-islamischer-kunst.de