Carpet Diem im Münchner „Museum Fünf Kontinente“

Artikel vom 7. Dezember 2012 zuletzt geändert am 22. März 2017

Im früheren Staatlichen Museum für Völkerkunde München gab es seit fünf Jahren regelmäßig Gespräche zwischen ästhetischem Genuss und Forschung unter Teppich- und Textilfreunden.

 

Kundige Fachleute, zu denen auch Mitglieder unserer Gesellschaft gehören, demonstrierten in jährlich vier Vorträgen neben Gastreferenten an Objekten aus den Sammlungen des Museums, aus Sammlungen anderer Provenienz und – im Rahmen eines Show&Tell – auch an mitgebrachten Stücken von Sammlern, die Bedeutung und Schönheit dieser Kunstgattung.

Die erfolgreiche Veranstaltungsreihe war zwar aus internen Gründen eine Weile unterbrochen, findet aber nun wieder statt, und zwar wie früher im ersten Monat eines Quartals, jeweils an einem Sonntag von 16 bis 19 Uhr. Kostenbeitrag: 10€
Moderation: Dr. Bruno J. Richtsfeld, Dr. Michael Buddeberg, Dr. Johannes Wolff-Diepenbrock

Vortrag, 8. Oktober 2017
Original oder Nachdruck?. Batik in Java und Glarner Zeugdruck im 19. Jahrhundert
Marie-Louise Nabholz-Kartaschoff, Basel

Vortrag, 9. Juli 2017
„Don’t forget the flowers on your way“. Teppiche und Gewebe aus Marrakesch und dem südlichen Ant-Atlas
Annette Korolnik, Carona (Schweiz)

Vortrag, 30. April 2017
Tibetische Schachbrett-Teppiche oder der Ursprung allen irdischen Seins
Birgit Voß, Berlin

In Asien speist sich die Urkraft allen irdischen Seins ganz klar aus dem Quadrat. Es symbolisiert die Materie und damit das Weibliche. Bedeutet dies nun, dass ein tibetischer Teppich mit einem Schachbrettmuster aus vielen aneinandergereihten kleinen Quadraten ein „Meditationsteppich“ ist, weil er bei rituellen Handlungen „erdet“? Wie kann es sein, dass auf alten Expeditionsfotos aus Tibet Textilien mit Quadraten als Unterlage beim derben Würfelspiel oder als Picknickdecke dienten? –Die Shotima genannten Teppiche sind alles in einem: simpel, grafisch, dekorativ und gleichzeitig bedeutungsgeladen, spirituell, kunstvoll.
Birgit Voß ist Redakteurin von Carpet Collector, einem Magazin für Teppich- und Textilliebhaber. Als Studentin der Kunstgeschichte sammelte sie leidenschaftlich tibetische Schachbrett-Teppiche. Sie stellt diese außergewöhnlich seltene Teppichgattung im geistesgeschichtlichen Kontext vor.

Vortrag, Samstag, dem 11. März 2017
Aus dem Land des Schneelöwen. Kostbare tibetische Teppiche der Sammlung Buddeberg
Dr. Michael Buddeber, Starnberg

Katalog der Ausstellung, Herausgeber Michael Buddeberg, Bruno J. Richtsfeld

Unser Mitglied  spricht über die Sammlung tibetischer Teppiche, die er zusammen mit seiner Frau Justyna zusammengetragen hat und von der ausgewählte Beispiele bis 18. Juni 2017 in der Ausstellung des Museums zu sehen sind.

Die beiden Abbildungen sind dem überaus prachtvollen Handbuch, das zur Ausstellung erschienen ist, entnommen. Auf 340 Seiten und mit zahllosen farbigen Abbildungen illustriert, wird die Welt des tibetischen Teppichs erstmals in ganzer Breite dargestellt. Die bekannte russische Expertin für zentralasiatische Teppiche, Elena Tsareva, hat alle Textilien der Sammlung exakt beschrieben und Strukturanalysen beigesteuert. Daneben gibt es einen Beitrag von Friedrich Spuhler zu den Matallgegenständen (insbesondere zu den Endkappen von Thangka-Stangen), weitere Beiträge (u.a.) zu Möbeln und Schmuck sowie vor allem die interessanten Berichte des Ehepaars über ihre 16 Reisen durch Tibet. Das im Verlag Hirmer erschienene Handbuch kostet 49,90 €.

Khaden, tibetischer Sitz- und Schlafteppich (160×86 cm), Sammlung Buddeberg

 

Tibetischer Sattelteppich (71×57 cm), Sammlung Buddeberg