Turm der wohlriechenden Düfte

Artikel vom 21. August 2018

Bozen. Schloss Maretsch, Claudia de’ Medici Straße 1

24. September – 4. November 2018

Die Gemeinde Bozen plant eine Ausstellung mit didaktischem, erzieherischem und informativem Charakter, die dem Duft gewidmet ist, die sowohl für Schulen, Touristen als auch für Bürger/innen von Bozen und des gesamten Landes von Interesse sein kann. Das Event findet im kommenden Herbst auf Schloss Maretsch in Bozen statt. Der älteste Teil des Schlosses wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts gebaut. Schloss Maretsch wurde als Ausstellungsort gewählt, weil dieses historische Gebäude eine aufregende Kulisse bildet, mit exklusivem Zugang zu Räumlichkeiten, die einen der bezauberndsten Ausblicke auf die Stadt Bozen bieten. Das Konzept der Ausstellung zeigt die Entwicklung eines alten Rituals, der mit dem Wunsch der Menschen zusammenhängt, angenehme Gerüche wahrzunehmen, die die Natur mit ihren Blumen, Blütenblättern und wohlriechenden Kräutern und Hölzern seit jeher der Menschheit schenkt. Das Projekt „Der Turm der wohlriechenden Düfte” wurde mit dem Ziel konzipiert, die geschichtliche Kenntnis und alle themenbezogenen, künstlerischen, naturalistischen und kulturellen Elemente verständlich darzustellen. Im Einklang mit dem gewählten und vorrangig didaktischen, informativen Format, sieht die Ausstellung einen Erlebnisweg vor, auf dem man Duftstoffe sehen, fühlen, riechen, sich damit umhüllen und auf der eigenen Haut erleben kann. „Der Turm der wohlriechenden Düfte“ möchte ganz speziell Schulen miteinbeziehen, damit Studenten durch die Ausstellung neue Kenntnisse in Bezug auf die Welt der Düfte erwerben und durch die ausgestellten Objekte und themenbezogenen Infotafeln neue Sinneserfahrungen erleben. Der rote Faden der Ausstellung „Der Turm der wohlriechenden Düfte“ ist auch die Gelegenheit die duftenden Vorzüglichkeiten Südtirols bekannt zu machen und zugleich deren Ausrichtung zur Umweltfreundlichkeit zu unterstreichen. Man will in der Tat die Besonderheit Südtirols in Sachen duftende Rohstoffe hervorheben. Zur Bekräftigung der territorialen Botschaft, werden eine Serie von Videos über das Gebiet gezeigt, zur Verfügung gestellt von touristischen Einrichtungen des Landes (IDM) und der Stadt (Verkehrsamt der Stadt Bozen).
Eine Auswahl von Flakons, Fläschchen, Glaskolben, Diffusoren und Räuchergefäßen wird die Ausstellung abrunden. Zur Zeit wird die Zusammenarbeit mit zahlreichen Museen definiert (Palazzo Madama – Stadtmuseum antiker Kunst in Turin, das Frauenmuseum und das Touriseum in Meran (BZ), das Stadtmuseum und der Domschatz in Bozen, das Museum de Gherdëina in St. Ulrich (BZ), der botanische Garten von Monte Baldo, die historische Apotheke von Palais Eccheli-Baisi in Brentonico (TN) und das archäologische Museum in Fließ, Österreich).
Dank der Unterstützung der Gesellschaft der Freunde islamischer Kunst und Kultur in München, ermöglicht die Ausstellung auch die Vertiefung und Erforschung der antiken Traditionen der östlichen Parfümkultur.
Ein breiter Bereich, wo Aromata, Essenzen und Destillate zu Protagonisten werden, betrifft die Arzneimittelvorbereitung und das Wohlbefinden, von den Inhalationen bis zur Aromatherapie, dabei werden auch die psychologischen Aspekte des Parfums unter die Lupe genommen. Auch diese Themen werden in der Ausstellung „Der Turm der wohlriechenden Düfte“ gezeigt. Vorgesehen ist auch eine Reihe von Rahmenevents, Workshops, Vorträgen und Treffen zum Thema Düfte.
Während der Ausstellungszeit sind viele Workshops, die besonders den Schulen gewidmet sind, Konferenzen und Werkstätten mit Experten vorgesehen.

KATALOG
Für die Ausstellung wird ein Katalog gedruckt. Inhaltlich werden die Haupthemen der Beschreibungspanele aufgegriffen und erweitert. Wie bereits erwähnt ist der vorwiegende Charakter der Ausstellung informativ, unterhaltsam und didaktisch. Unter Respekt der wissenschaftlichen und historischen Fakten wird die Beschaffenheit der Sprache so gestaltet, dass die Inhalte für ein breites Publikum zugänglich sind.

DUFTENDE BLUMIGE FAHRRÄDER
Die Ausstellung wird in den ersten Herbsttagen eröffnet, wenn die Natur Farben und Düfte bietet, die an die letzten warmen Sonnenstrahlen erinnern. Da Bozen eine starke Berufung zum Radeln hat – die Stadt liegt an der Spitze der italienischen Ranglisten in Bezug auf die Benutzung des Fahrrades – wird diesbezüglich ein Begleitevent im Einklang mit den in der Ausstellung behandelten Themen organisiert.

TECHNISCH-WISSENSCHAFTLICHES KOMITTEE
Dr. Josef Franz – CEO Vitalis Dr. Josef, Bruneck (BZ); Studien in “Tecniche erboristiche” bei der Pharmzeutischen Fakultät der Universität von Urbino
Dr. Maximin Liebl – Inhaber der Apotheke Madonna, Bozen
Dr.  Pietro Marangoni – Präsident Kulturverein La Stanza, Bozen
Dr. Marina Mascher – Studien in Orientalischen Sprachen und Literatur an der Universität Ca’ Foscari in Venedig und in Planung und Verwaltung des Kulturtourismus an der Università degli Studi in Padua
Laura Piovesan Schütz – Inhaberin der Agentur LPS Communication Bozen seit 1993, Expertin für Kommunikation und Kulturtourismus
Prof. Barbara Ricci – Klassisches Gymnasium Giosuè Carducci Bozen
Prof. Mara Battisti – Klassisches Gymnasium Giosuè Carducci Bozen
Prof. Marta Sironi De Chiusole – Studium der Philosophie, Expertin für Bibelauslegung
Mag. Christoph Tschaikner – Geschäftsführer Via Claudia Augusta International, Innsbruck (A)
Architekten Fulvio Giorgi und Bruno Stefani, Tigliani Architecture, Bozen – Ausstellungseinrichtung

GEDANKEN ZUR AUSSTELLUNG (Werner Joseph Pich)
Von Aix-en-Provence und Bayreuth bis Salzburg, jedes Jahr bieten – vornehmlich im Sommer – viele Großveranstaltungen in ganz Europa Genuss für verwöhnte Ohren. Kunstausstellungen und Filmfestivals, ob in Berlin, Cannes oder München, präsentieren mit vielfältigen Angeboten Reize für Augen, Gemüt und Geist. Kulturbeflissene beklagen nicht selten ein Zuviel an Eindrücken für Aug und Ohr. Wenn es nun in Bozen ein Festival gibt, das dem dritten Sinnesorgan gewidmet ist, demjenigen für die „olfaktorische Wahrnehmung“, stutzt man zunächst; hat man bisher nicht beachtet, welche Bedeutung dem
Geruchssinn des Menschen zukommt, also seine Würdigung einfach beiseite gelassen? Wie sehr bewundert jedermann die feine Nase des Jagdhundes, oder die „Spezialisten“ unter ihnen, die Morcheln oder Sprengstoffe erkennen können. Da mutet es schon fast merkwürdig an, dass der sehr differenzierten Fähigkeit des Menschen, Gerüche zu erkennen und damit etwa auch Gefahren zu beurteilen, weniger Beachtung geschenkt wurde. War doch das in seiner Entwicklung, ja wahrscheinlich für sein Überleben in der Evolution, mitentscheidend. Kommt der Nase, wenn man das einmal so verkürzt sagen darf, als dem Organ, das neben Auge und Ohr den Menschen nicht zuletzt befähigt, im Einklang mit der Natur zu leben und ihre unendlichen Gerüche aufzunehmen, eine weniger groß Bedeutung zu? Von der „simplen“ Fähigkeit, den Geschmack einer Speise zu beurteilen, bis zu der Vorstellung, den Göttern mit gen Himmel steigendem Wohlgeruch gefallen zu wollen – und vom Accessoire für die holde Weiblichkeit mal ganz abgesehen -, spannt sich der Bereich der den Aromata aller Art innewohnenden chemischen Wirkungskräfte.
Das Buch „Aromata in der iranischen Kultur“ unseres Vorstandsmitglieds Dr. Mehr Ali Newid (Wiesbaden 2010) versammelt zwar „nur“ die in der persischen Literatur zu findenden Duftstoffe, doch spielen sie zu allen Zeiten und in allen anderen Kulturen eine bedeutende Rolle. Vor allem gehört in allen alten und „alt gewordenen“ Kulturen dieser Welt das Thema „Duft und Frau“ untrennbar zusammen; der „Turm der wohlriechenden Düfte“ enthält dafür zahlreiche Beispiele. Sie reichen vom alltäglichen bis zum singulären, vom billigen bis zum exklusiven. Für Letztes steht von altersher ein
wundersames Werk der Weltliteratur, die „Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht“ in hohem Ansehen. Jedem, der von den Wohlgerüchen des Orients träumt und sich durch die Pforten dieser Texte den Zugang zu den Reichen von China über Indien, dem Nahen Osten bis zu unserer Hemisphäre eröffnet, erliegt dem Zauber der Beschreibungen aus den Palästen der Herrscher oder den prächtigen Gemächern der Wesire und Kaufleute; aus ihnen steigen die wohlriechenden Düfte geradezu dem Leser in die Nase.
Schaut man in Vogue oder Elle, trifft man auf die noblen Düfte, und unter ihnen ist zweifellos CHANEL No 5, unverändert seit fast 100 Jahren, die Königin. Von dem „Parfum für eine Frau mit dem Duft einer Frau“, wie Coco Chanel die von ihr 1921 ausgewählte – und zunächst limitiert auf 100 Flakons als Weihnachtsgeschenk für ihre Kundinnen gedacht Creation charakterisierte – wird heute noch, wie von der Firma behauptet, weltweit alle 30 Sekunden ein Flakon verkauft. Auch das Design dieses ebenso edlen wie schlichten Gefäßes entwarf Coco Chanel. Zwar gab es damals bereits seit etwa 7 Jahren eine erstes Designer-Parfum (das Rallet No 1), doch stieß Coco mit ihrem 1922 allgemein auf den Markt gebrachten Essenz eine Entwicklung an, der sich heute kaum eine Modemarke entziehen kann. Dieser in vieler Hinsicht sehr ungewöhnlichen Frau gebührt – zumindest virtuell – ein ehrender Platz ganz oben im „Turm der wohlriechenden Düfte“.
Ich freue mich, dass einige Mitglieder unserer Gesellschaft bereit waren, aus ihren Sammlungen mit Gefäßen aus der islamischen Welt sowie vielfach daraus abgeleiteten Objekten einen Beitrag zum „Duftfestival“ in Bozen zu leisten, und wünsche der hochinteressanten Veranstaltung zahlreichen Besuch und nachhaltige Wirkungen – vornehmlich im didaktischen Bereich.