Eugen-Biser-Stiftung: Lexikon des Dialogs

Artikel vom 22. September 2013 zuletzt geändert am 9. Dezember 2013

Die Eugen-Biser-Stiftung München hat nun ein Projekt erfolgreich beendet, das in seiner Anlage ohne Vorbild ist und heute unentbehrlich erscheint. Die Notwendigkeit des christlich-islamischen Dialogs liegt auf der Hand, um angesichts von fast 4 Millionen Muslimen in Deutschland – von denen die meisten türkischer Abstammung sind – Missverständnisse und daraus resultierende Konflikte zu reduzieren.

Titelblatt von Band 1

Titelblatt von Band 1

„Die Probleme von Migration, Integration und Wahrung des innergesellschaftlichen wie des internationalen Friedens benötigen Antworten, die ohne besseres wechselseitiges Verstehen nicht mit Erfolg gegeben werden können. Die Kenntnisse der Muslime vom Christentum und der zum Großteil darauf basierenden westlichen Kultur sind oft nur rudimentär. Dies gilt entsprechend für die westlichen Partner im interreligiösen und interkulturellen Dialog mit Muslimen.

Es genügt aber nicht, nur an der Oberfläche Vorurteile und latente Ängste abzubauen. Die zu erörternden religiös-theologischen Probleme gehen vielmehr allen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Bemühungen voraus“¹.

Inhalt, Ausrichtung und Form des nun vorliegenden zweibändigen Lexikons wurden seit 2005 in zahlreichen Symposien der Stiftung mit Wissenschaftlern der Universität Ankara und aus mehreren Hochschulen Deutschlands festgelegt, und von 24 deutschen und 55 türkischen Autoren auf insgesamt 856 Seiten in die Tat umgesetzt. Die vollständige Liste der ca. 320 muslimischen und eine ungefähr gleiche Zahl christlicher Begriffe finden Sie → hier.

Auf der sehr ausführlichen Seite der Eugen-Biser-Stiftung zu diesem Opus Magnum finden Sie nahezu alles, was man derzeit zu den beiden Bänden wissen sollte. Eine erste Rezension von Professor Dr. Dr. Bertram Schmitz, Religionswissenschaftler der Universität Jena, sei hier eingefügt:

„Was verstehen aktuell türkische Theologen unter Begriffen wie Auferstehung und Jenseits, Toleranz oder Heilige Stätten; warum ist die Methode des Analogieschlusses (qiyas) für die islamische Rechtssprechung so wichtig, warum wurde er eingeführt und wie stehen unterschiedliche Rechtsschulen jeweils zu diesem Verfahren?

Das neue Lexikon des Dialogs – Grundbegriffe aus Christentum und Islam wurde im Auftrag der Eugen-Biser-Stiftung und der Islamisch Theologischen Fakultät der Universität Ankara erstellt, um solche Begriffe von authentischer muslimischer Seite zu beantworten. Demgegenüber werden im selben Lexikon zugleich die zentralen christlichen Begriffe ebenfalls authentisch von christlichen Fachleuten beantwortet. Die Artikel sind umfassend und überschaubar zugleich. Sie sind differenziert und geben oftmals auch unterschiedliche Standpunkte und Sichtweisen wieder . Vor allem aber gelingt es ihnen, den Inhalt der Begriffe auf klare und ansprechende Weise zu präsentieren. Entstanden ist ein Lexikon, das für Laien wie für Spezialisten empfohlen werden kann.
Eine weitere Besonderheit liegt darin, dass die jeweiligen Artikel in Deutsch oder Türkisch verfasst und anschließend in die jeweils andere Sprache übersetzt wurden. So konnten sie bereits während des Arbeitsprozesses einander vorgelegt und abgesprochen werden. Das Lexikon liegt somit vollständig auf Türkisch und Deutsch vor. Es kann von beiden Dialogpartnern gleichermaßen verwendet werden, als reichhaltige Informationsquelle und als Basis für einen Gesprächsaustausch über die Inhalte dieser Religionen“.

¹ In der zum 90. Geburtstag Eugen Bisers am 6. Januar 2008 von der 2002 gegründeten Stiftung herausgegebenen Festschrift Dialog aus christlichem Ursprung stellte Dr. Heinz Köster (damals stv. Vorsitzender des Kuratoriums, heute geschäftsführendes Mitglied des Stiftungsrates), „Das Projekt ›Christlich-Islamisches Begriffslexikon‹“ vor (S. 315 ff).

Der 1918 in Oberbergen am Kaiserstuhl geboren Eugen Biser hatte von 1974 bis 1989 in der Nachfolge Karl Rahners den Romano-Guardini-Lehrstuhl für Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) inne. Nach seiner Emeritierung 1987 initiierte er an der LMU das Seniorenstudium, das er bis September 2007 leitete. Außerdem war er von 1979 bis 2007 als Universitätsprediger tätig und zelebrierte nahezu jeden Sonntagabend in der Universitätskirche St. Ludwig die Heilige Messe. Eugen Biser gehört zu den führenden Theologen unserer Zeit und ist heute Ehrenpräsident seiner Stiftung, deren Gremien zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten aus allen Bereichen des religiösen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Lebens  angehören. Eugen Biser empfing zahlreiche nationale und internationale Ehrungen und Auszeichnungen. Eine Online Bibliographie seiner Schriften finden Sie → hier

Lexikon des Dialogs. Grundbegriffe aus Christentum und Islam
Im Auftrag der Eugen-Biser-Stiftung herausgegeben von Richard Heinzmann in Zusammenarbeit mit Peter Antes, Martin Thurner, Mualla Selçuk und Halis Albayrak. 2 Bände, zusammen 856 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag im Schuber. Verlag Herder. ISBN 978-3-451-30684-6. € 38,-. Die türkische Ausgabe erscheint zeitnah im Verlag der Universität Ankara. Eine Ausgabe in Englischer Sprache ist angekündigt, solche in anderen relevanten Sprachen geplant.

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Die Stiftung feiert die Vollendung des Werkes in einer Veranstaltung und anschließendem Empfang für angemeldete Gäste am Mittwoch, dem 16. Oktober 2013, 19 Uhr, im Auditorium der Pinakothek der Moderne in München, Barerstraße 40: Engagement von Christen und Muslimen in unserer Gesellschaft. Gespräche zum „Lexikon des Dialogs“

  • Erstes Gespräch: Entstehung der Lexikonartikel im interreligiösen Gespräch am Beispiel der Begriffe Gottesverständnis/Trinität, Religionsfreiheit und Dschihad. Karin Wendlinger (BR) moderiert das Gespräch zwischen Prof. Dr. Richard Heinzmann (Mitherausgeber des Buches) und Dr. Ayse Basol (Mitarbeiterin am Lexikon, Universität Frankfurt)
  • Zweites Gespräch: Politik und Gesellschaft am Beispiel Demokratie, Frau, Integration. Matthias Drobinski (SZ) moderiert das Gespräch zwischen Prof. Dr. Dres. h.c. Paul Kirchhof (u.a. Richter am Bundesverfassungsgericht a.D.) und Honey Deihimi (Referatsleiterin bei der Bundesbeauftragten für Migration)
  • Drittes Gespräch: Kultur am Beispiel der Begriffe Blasphemie/Karikatur, Bild/Bilderverbot, Götzendienst. Prof. Paul Schultz (ehem. Intendant des Theaters am Gärtnerplatz, Vors.des Freundes- und Förderkreises des Lehrstuhls für Jüdische Geschichte und Kultur an der LMU, Mitglied des Kuratoriums der Stiftung) moderiert das Gespräch zwischen Christian Stückl (Spielleiter der Passionsspiel Oberammergau, Intendant des Münchner Volkstheaters) und Feridun Zaimoglu (Schriftsteller, Kiel).

Der Kostenbeitrag zur Veranstaltung beträgt 10 Euro (für reguläre Studierende kostenfrei). Eine schriftliche Anmeldung bei der Stiftung zur Veranstaltung und zum Empfang ist  erforderlich: Fax 089-18 00 68 16 oder E-Mail kontakt@eugen-biser-stiftung.de. Siehe auch die Website der Stiftung unter „Veranstaltungen“.