Wie die Islamische Kunst nach Berlin kam

Artikel vom 22. Oktober 2015 zuletzt geändert am 6. Juli 2016

Das Museum für Islamische Kunst Berlin zeigte bis zum 14. Januar 2016 eine bedeutende Ausstellung über Friedrich Sarre.
Die kunsthistorische Beschäftigung mit islamischer Kunst ist ohne Friedrich Sarre (1865-1945), den ersten Direktor des Berliner Museums für Islamische Kunst nicht denkbar. Seine  Forschungsexpeditionen in den Vorderen Orient und nach  Persien / Zentralasien haben das Fach weit über die Grenzen  Deutschlands hinaus bekannt gemacht. Berlin verdankt  ihm das erste Museum für islamische Kunst außerhalb der islamischen Welt. Ankäufe wie das weltberühmte Aleppo-Zimmer sowie die großzügige Schenkung seiner eigenen  Sammlung bilden bis heute den Grundstock der Museumsbestände und begründen seinen Weltruf.

Anlässlich des 150. Geburtstags Friedrich Sarres erzählte die
Ausstellung Wie die islamische Kunst nach Berlin kam
nicht nur die ungewöhnliche Biographie eines außergewöhnlichen Forschers, sondern führt auch in die Zeit des Deutschen Kaiserreichs mit seinen außenpolitischen Ambitionen im Spiel der Weltmächte. Sarre bewegte sich im CCI22102015_0001
inneren Zirkel derer, die mit dem Vorderen Orient politische und wirtschaftliche Beziehungen pflegten und gleich-
zeitig dem Reiz der orientalischen Kultur erlagen. Ausgestellt waren neben seinen historischen Reisefotografien eine
Auswahl seiner bedeutendsten Ankäufe und Schenkungen, darunter erstmalig seine Sammlung islamischer Buchkunst,
die noch lange im Familienbesitz verblieb.

Einen recht interessanten Artikel über die Ausstellung brachte die Berliner Zeitung in der Ausgabe vom 27.10. 2015; Sie finden ihn hier.

CCI19112015Das Begleitbuch zur Ausstellung „Wie die islamische Kunst nach Berlin kam“ erschien beim Dietrich Reimer Verlag (160 S., 80 Abbildungen, davon 50 farbig, Format 21 x 27 cm, ISBN 978-3-496-01544-4, broschiert 29,95 €).
Nach Vorwort (Stefan Weber) und Einführung (Julia Gonnella) beleuchtet Jens Kröger in gewohnt präziser Form die Person Sarres, Malte Fuhrmann berichtet über „Friedrich Sarre, der zeitgenössische ‚Orient‘ und der Erste Weltkrieg“, Jörg Limberg beschreibt sein Leben in der Villenkolonie Neubabelsberg und Angelika Kaltenbach wirft einen Blick in ein bisher unbekanntes Kunstwerk des Orientalismus, das orientalische Kabinett der Villa Stauß. Es folgen dann auf knapp 45 Seiten noch Artikel über die Alhambra-Kuppel im Museum (McSweeney), Sarre als Sammler islamischer Buchkunst (Gonnella), von Kalligraphien (Haase) und Orientteppichen (Kröger).
Im Literaturverzeichnis vermisst man zunächst das 1909 bei Hiersemann erschienen Werk über „Seldschukische Kleinkunst“, das – wie Sarre im Vorwort mitteilt – anstelle der geplanten weiteren Teile (über Keramik, Glas, Miniaturen, Textilkunst) die Reihe „Sammlung F. Sarre Erzeugnisse Islamischer Kunst, Teil I Metall“ fortsetzen sollten, die 1906 begann.
Die Begründung: „Während die veröffentlichten Metallgegenstände wohl eine gewisse Übersicht über die Entwicklung eines bestimmten Zweiges des islamischen Kunstgewerbes zu geben vermochten, würden die geplanten weiteren Publikationen meiner Sammlung dieses Ziel nicht zu erreichen vermögen, da auf den anderen Gebieten nicht ein gleich reichhaltiges Material in meinem Besitz vorhanden ist“. Er habe sich in den letzten Jahren weniger um seine eigene Sammlung gekümmert. als um die „im Entstehen begriffene vorderasiatisch-islamische Sammlung der Königlichen Museen zu Berlin“.
Vor allem fehlt im Literaturverzeichnis die von Ernst Kühnel herausgegebene „Festschrift fuer Friedrich Sarre zur Vollendung seines 60. Lebensjahres“ mit 16 Beiträgen berühmter Autoren, von denen nur Diez, Strzygowsky, Pope, Kühnel, Mayer und Babinger erwähnt seien. Das Werk unter dem Obertitel „Beiträge zur Kunst des Islam“ erschien als zweiter Halbband des Jahrbuchs der Asiatischen Kunst II. Band, 1925.
Zwar enthält das Literaturverzeichnis eine große Anzahl von Sarres Werken, doch hätte ich mir gewünscht, dass man aus Anlass des zweifachen Jubiläums (150. Geburts- und 70. Todestag) ein komplettes Verzeichnis seines Schriftums aufgenommen hätte; die (im Literaturverzeichnis erwähnte) Zusammenstellung von 1935 ist recht abgelegen und wohl auch noch nicht vollständig.

Natürlich ist das Museum für Islamische Kunst auf der Museumsinsel immer einen Besuch wert; es ist geöffnet Mo-Mi 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr und Fr-So ebenfalls 10-18 Uhr. Mitglieder der Freunde Museum Islamische Kunst haben freien Eintritt in die Dauer- und Sonderausstellungen aller Staatlichen Museen zu Berlin.