Allianz Gastprofessur
Anfang 2002 überraschte uns die Allianz Group – zu der langjährige persönliche Kontakte bestanden – mit der Nachricht, sie plane die Stiftung einer langfristigen Allianz Gastprofessur für islamische und jüdische Studien. Der brutale Terror des 11. September 2001 gab für das Unternehmen den Anstoß, sich mit einem großzügigen Programm für die Verständigung zwischen den Kulturen einzusetzen. Jedes Semester sollte ein neuer Gastprofessor oder eine Professorin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München auf dem von der Allianz geförderten Lehrstuhl lehren, und zwar entweder jüdische oder islamische Geschichte und Kultur.
Unsere Gesellschaft wurde gebeten, dafür zunächst ein Konzept zu entwickeln, gemeinsam mit der Allianz die Kandidaten für die islamischen Studien auszuwählen sowie die außeruniversitäre und persönliche Betreuung der künftigen Gastprofessoren zu übernehmen. Unser Konzept diente später dem Freundeskreis des Lehrstuhls für Jüdische Geschichte und Kultur e.V. an der Ludwig-Maximilians-Universität München als Muster für die dort betreute Gastprofessur.
Als Auswahlkriterium gilt neben der herausragenden fachlichen Qualifikation, dass der Wissenschaftler in einem Land der islamischen Welt, zumindest in einem islamischen Umfeld, tätig sein muss. Unser Ehrgeiz war es, zum Auftakt des Programms eine bedeutende Persönlichkeit an die Münchner Universität zu holen. Dies gelang für das Sommersemester 2003 auf glänzende Weise mit der Berufung des ersten Allianz Gastprofessors für Islamische Studien, Professor Dr. Dr. h.c. mult. Ekmeleddin Ihsanoglu, einem Wissenschaftshistoriker, der damals als Generaldirektor dem im Istanbuler Yildiz Palast beheimateten Forschungszentrum für Islamische Geschichte, Kunst und Kultur IRCICA vorstand. Die Gesellschaft verlieh ihm im Februar 2004 für seine Verdienste um unsere satzungsgemäßen Ziele die Ehrenmitgliedschaft. Im Juni des selben Jahres wurde Professor Ihsanoglu zum Generalsekretär der Konferenz der Islamischen Staaten OIC, der „UN der Islamischen Welt“, gewählt.
Ab Wintersemester 2004 kam für ein Jahr der in Palästina geborene und damals in den USA lehrende Literaturhistoriker Professor Dr. Ibrahim Muhawi als zweiter Allianz Gastprofessor für Islamische Studien nach München. Ihm folgten im Wintersemester 2006/07 der Wirtschaftshistoriker Professor Dr. Murat Cizakca, Bursa, und im Sommersemester 2007 der am MIT in Boston lehrende Architekturhistoriker Professor Dr. Nasser Rabbat. Ab Wintersemester 2008 lehrte für ein Jahr der an der Universität in Sarajevo tätige muslimische Religionswissenschaftler Professor Dr. Enes Karic an der LMU.
Im Wintersemester 2010/11 und im Sommersemester 2011 lehrte Frau Professor Sussan Babaie Ph.D., eine in Iran geborene Kunsthistorikerin, an Münchens Universität. Die Heimatuniversität von Frau Babaie war zwar die in der islamischen Kunstgeschichte berühmte University of Michigan in Ann Arbor/MI, doch hielt sich die Professorin ab 2009 überwiegend im Nahen Osten zu Lehrveranstaltungen in Kairo, Aleppo und Beirut auf. Wir haben uns besonders über die erste Dame im Kreise der Gastprofessoren für Islamische Studien gefreut. Ihre Wahl erfolgte nicht zuletzt im Kontext zu den vielen Veranstaltungen in Erinnerung an die große Münchner Ausstellung “Meisterwerke Muhammedanischer Kunst” 1910.
In der Website der → Allianz zur Gastprofessur finden Sie nicht nur eine Liste aller Allianz Gastprofessoren für Islamische und Jüdische Studien, sondern auch Informationen zu der von Allianz, LMU und unserer Gesellschaft veranstalteten Konferenz der bis dato in München lehrenden Gastprofessoren.


