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Ausstellung der Gesellschaft

Artikel vom Donnerstag, 15. Oktober 2009 in Rubrik Archiv, Ausstellung

Die Veranstaltung von Ausstellungen gehört zu den effektivsten – aber auch aufwändigsten – Möglichkeiten, die Ziele der Gesellschaft zu realisieren. Wir haben das erst einmal geschafft: Unsere Jubiläumsausstellung im Jahre 2000. Im folgenden finden Sie dazu Texte, auch zum Medienecho.

Die Eröffnung

Auszug aus Eröffnungsworten für die Ausstellung “Islamische Kunst aus privaten Sammlungen in Deutschland” im Bayerischen Armeemuseum Ingolstadt am 08.05.2000 vom Ersten Vorsitzenden der Gesellschaft der Freunde Islamischer Kunst und Kultur e.V., München, Werner Joseph Pich:

Gründung und Ziele der Gesellschaft
Am 18. Oktober 1989 fanden sich im Vortragssaal des Staatlichen Museums für Völkerkunde in München 13 Damen und Herren zur Gründung unserer Gesellschaft ein. Es waren Ethnologen, Kunsthistoriker, Sammler und Liebhaber der islamischen Kunst.

Zwei prominente Teilnehmer an dieser Versammlung sind nicht mehr unter uns; sie starben 1997:

  • Frau Dr. Leonie von Wilckens, jedem bekannt, der sich für die Kunstgeschichte der Textilien interessiert;
  • Herr Dr. Dietrich H.G. Wegner, der noch heute überall dort genannt wird, wo man von den Teppichen der Belutschen spricht.

Die am 3. April 1990 ins Vereinsregister eingetragene Gesellschaft hatte sich für die Förderung der Kenntnis der islamischen Kunst viel vorgenommen. Das kann man in der Satzung nachlesen; auf deren bis heute unveränderten Auftrag werde ich noch zurückkommen.

Zunächst aber möchte ich kurz auf die Progammüberlegungen der Gründer eingehen, worin von Ausstellungen die Rede ist:

Die wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der islamischen Kunst sollte gefördert werden, und zwar anknüpfend an den “entscheidenden Anstoß” den dafür die berühmte Ausstellung “Meisterwerke Muhammedanischer Kunst” in München 1910 gegeben habe.
Leider fehlen uns bis heute die für die Forschungsförderung notwendigen finanziellen Mittel.
Jedoch fällt mir zum Stichwort “Ausstellung 1910″ ein, dass sich der Freistaat Bayern im Jahre 2010 des 100jährigen Jubiläums dieser Ausstellung, deren”Protektor” Luitpold Prinzregent von Bayern war, gebührend erinnern sollte!
Vielleicht flankiert von unserer Gesellschaft?

Die zweite Passage im Programmpapier darf ich im Wortlaut zitieren:

“Das reiche kulturelle Erbe der islamischen Welt, die ja in der Tagespresse vorwiegend als politischer Unruheherd in Erscheinung tritt, soll durch Ausstellungen, die von der Gesellschaft initiiert, unterstützt oder zur Gänze durchgeführt werden, einer breiteren Öffentlichkeit ins Bewußtsein gerufen werden, wobei die Gesellschaft weder politische noch konfessionelle Ziele verfolgen wird”.

Dieser Programmpunkt ist nun nach zehn Jahren Wirklichkeit geworden!

Was bedeutet der Zeitraum von 10 Jahren für unsere Arbeit?
Nicht viel, wenn man zum Beispiel an die ehrwürdige 1845 gegründete Deutsche Morgenländische Gesellschaft denkt. In ihrer Satzung gibt es übrigens verwandte Ziele, wenn sie “die Vertiefung und Verbreitung der Kenntnis des Morgenlandes” fördern will.

10 Jahre bedeuten jedoch viel, wenn man sich die Aktivitäten der Gesellschaft in dieser Zeit anschaut:

  • Pro Jahr veranstalteten wir 8 bis 10 Vorträge; alle waren öffentlich und unentgeltlich. Bekannte Fachleute aus aller Welt sprachen über Baukunst, Handschriften, Kunsthandwerk, Literatur, Teppiche und andere Gegenstände der Kunst der islamischen Länder; es gab Workshops zu Schmuck und Textilien, es gab Lesungen und Musikvorführungen.
  • Exkursionen wurden organisiert, z.B. zur Türkenbeute in Karlsruhe: Das Bayerische Armeemuseum steht ja mit seinen Schätzen aus den Türkenkriegen in Deutschland nicht alleine.
  • Es erschienen drei Bände mit insgesamt 7 Jahrgängen der “Jahreshefte” der Gesellschaft EOTHEN, in denen wichtige Vortragstexte veröffentlicht wurden; sie gingen in alle Welt.
  • Schließlich gibt es nun den Katalog zu dieser Ausstellung als Sonderband von EOTHEN.
  • In einer großen Zahl von Rundschreiben wurden die Mitglieder über alle wichtigen Ereignisse in der Welt der islamischen Kunst informiert.

Möglich wurde das alles vornehmlich mit Hilfe unserer Mitglieder – derzeit etwas über 200 – die mit ihren Beiträgen, und nicht selten mit etwas mehr, die Kosten für diese Aktivitäten aufbrachten. Von den “öffentlichen Händen” haben wir zwar nie Gelder erhalten, jedoch erfahren wir unverändert große Unterstützung durch die Ludwig-Maximilians-Universität in München, die uns ihre Hörsäle für die Vorträge unentgeltlich überlässt. Gelegentlich waren wir auch im Staatlichen Museum für Völkerkunde zu Gast.

Wozu die ganze Anstrengung?
Dem Museum verhilft die Ausstellung zu einer temporären Erweiterung seiner eigenen Bestände an islamischer Kunst. Die Gesellschaft hofft, über die Ausstellung potenzielle neue Mitglieder zu erreichen, die unsere sachliche und “finanzielle Operationsbasis” stärken.

Unsere “ideelle Operationsbasis” ist unsere Satzung von 1989 – und damit komme ich zum wichtigsten Ziel dieser Veranstaltung; es heißt da:

“Der Verein bezweckt die Förderung des Wissens um die islamische Kunst und Kultur als eines wichtigen Mittels der Völkerverständigung”.

Ist das heute noch notwendig – oder vielleicht gerade heute notwendig?

Jeder Fünfte Mensch auf der Erde gehört der islamischen Glaubensgemeinschaft an. Etwa die Hälfte lebt im Nahen und Mittleren Osten, in Afrika, Europa und in den USA, die andere Hälfte in Süd- bzw. Südost-Asien. In Deutschland wohnen rund 3 Millionen Muslime.

Im Katalog der vor drei Wochen in Amsterdam zu Ende gegangenen prachtvollen Ausstellung “Art of Islam. Heavenly art – Earthly Beauty” liest man dazu folgendes:

“Trotz dieser Größenverhältnisse wissen die meisten Europäer sehr wenig über den islamischen Glauben, ganz zu Schweigen von der erstaunlich reichen und vielfältigen Kultur, die dadurch inspiriert wurde. In der Tat wird der Islam oft als ein Randphänomen verstanden. Er ist aber – ganz im Gegenteil – mit all seiner großartigen Verschiedenheit eines der religiösen Fundamente auf denen unsere globale Kultur errichtet ist.”

Annemarie Schimmel sah das Problem in einem unverändert aktuellen Text von 1995 so:

“Die Begegnung Europas mit der islamischen Welt hat in jüngster Zeit zu heftigen Diskussionen und Irritationen geführt. Immer wieder kommt es zu einer Verwechslung des Islam mit den als “Fundamentalismus” bezeichneten Bewegungen, deren Entwicklung verständlicherweise Besorgnis auch in der westlichen Welt erweckt.
In dieser Situation ist es um so notwendiger, den Blick auf die kulturellen Werte des Islam zu richten und daran zu erinnern, wie stark unsere eigene Kultur von der des Islam beeinflusst ist”.

Ich glaube, man muss dem nichts hinzufügen, um Sinn und Wert einer Ausstellung islamischer Kunst zu begründen.

Übrigens lese ich zwischen den Zeilen der beiden Texte noch folgendes: Wir Europäer – vielleicht insbesondere wir Deutsche – sollten uns daran erinnern, dass es in Wahrheit keinen Mittelpunkt der Welt gibt – und dass er schon aus diesem schlichten Grund nicht in unseren Breiten liegen kann.

In diesem Bewusstsein fällt es uns ganz sicher leichter, das Miteinander mit unseren ausländischen, insbesondere den muslimischen Mitbürgern aktiv zu fördern: Auch das ist ein wesentlicher Aspekt dieser Ausstellung!

Ein paar Stichworte zur Islamischen Kunst
Stünde ein Kunsthistoriker an meiner Stelle, würde er Ihnen vielleicht davon erzählen, dass die Kunstgeschichte den Prozess der Loslösung vom Eurozentrismus etwa seit dem Ende des 19. Jahrhundert bewältigt hat!
Die Beschäftigung der Geisteswissenschaften mit dem Islam und seiner Kunst hat eine viel längere und nicht selten leidvolle Historie; sie kann hier nicht – vor allem nicht von mir – dargelegt werden.

Für Ihren Rundgang möchte ich Ihnen dennoch ein paar Gedankensplitter mitgeben – obwohl die islamische Kunst wegen ihrer unmittelbar erfahrbaren Schönheit eigentlich keiner Einführung bedarf.

Ohne den Islam gäbe es keine islamische Kunst. Oder, um es weniger banal zu sagen, der besondere Charakter der islamischen Religion prägt den Charakter dieser Kunst.
Der Gründer der jüngsten Weltreligion, Mohammed, kam um 570 in Mekka als Sohn eines nicht sehr wohlhabenden Kaufmanns zur Welt. Der Vater starb auf einer Geschäftsreise, wohl kurz vor der Geburt, die Mutter sechs Jahre danach. Der Waisenknabe wurde zunächst von seinem Großvater und, nach dessen baldigen Tod, von seinem Onkel aufgenommen. Dort erlernte er den Beruf eines Karawanenführers, wodurch er weite Teile der arabischen Halbinsel und ihre Bewohner kennenlernte – auch Juden und Christen, was für manche Inhalte des Koran von Bedeutung ist.

Sein guter Ruf brachte ihn in die Dienste einer reichen fünfzehn Jahre älteren Kaufmannswitwe, die den 25jährigen schließlich heiratete.
Etwa ab seinem 40. Lebensjahr empfing Mohammed die Offenbarungen des Koran. Drei Jahre später begann er, sie in Predigten zu verkünden und machte sich damit in Mekka zunächst eine Menge Feinde. 622 übersiedelte er mit einigen Anhängern nach Medina, wo er 632 starb.

Von diesen knappen Lebensdaten sollte man mindestens behalten, dass das Jahr der Übersiedlung 622 nach Christus zum Beginn der islamischen Zeitrechnung wurde. Die Muslime rechnen nach Mondjahren, die ca. 3% kürzer als Sonnenjahre sind.

Der Koran, der bereits ca. 20 Jahre nach dem Tod Mohammeds kodifiziert wurde, ist die Grundlage für einige wichtige Charakteristika der islamischen Kunst.

Das heilige Buch wurde nach dem Glauben der Muslime in Arabisch als eine “Kopie” des bei Allah aufbewahrten Originals herabgesandt. Damit ist die arabische Sprache als solche göttlich, und die Niederschrift des Korans oder von Zitaten daraus verdienstvoll.
Dies ist eine der Erklärungen für die Allgegenwart der Schrift in der islamischen Kunst sowie für die ganz besondere Sorgfalt und Vielfalt ihrer Wiedergabe.

Die Anrufung Gottes gehört ebenso zu einem Manuskript über medizinische Sachverhalte, wie sie an der Wand eines Bauwerks, auf einer Kupferschale oder in einen Teppich geknüpft vorkommt.

Sie werden in der Ausstellung neben Koranblättern auch religiöse Texte in verschiedenen Schriftarten und auf allen möglichen Materialien sehen, ohne dass die Objekte damit zu religiösen Kunstwerken würden – wie man es in vergleichbaren Fällen der westlichen Kunst annehmen müsste.

Die islamische Kunst ist gleichzeitig eine regionale und eine universale Kunst.

Überall wo Muslime hinkamen – und sie eroberten in den ersten hundert Jahren nach dem Tode Mohammeds den alten Orient bis an die Grenzen Chinas – trafen sie auf alte gewachsene Kulturen; beispielsweise im Iran auf die der Sasaniden.

Die siegreichen Araber kamen überwiegend aus alter Kulturlandschaft und wirkten in den eroberten Ländern quasi als Katalysatoren; sie bewirkten eine Transformation der örtlichen Kunst und Kultur zur regional islamischen.

Faszinierend bleibt aber, dass islamische Kunst trotz regionaler Eigenständigkeiten in großartiger Einheitlichkeit und unverwechselbar als Kunst aller islamischen Völker erkennbar bleibt. Dazu trägt auch der Stellenwert des Arabischen bei: Der Koran gilt für alle Muslime in der Welt nur in der Originalsprache als authentisch; die Folge daraus für die Einheitlichkeit der Glaubenspraxis und der Kunst liegt auf der Hand.

Auch dieses Phänomen – zu dem es kaum Parallelen gibt – werden sie in der Ausstellung erleben, die Ihnen Objekte von Afghanistan bis Marokko vor Augen stellt.

Ein Gegensatzpaar darf bei diesem sehr fragmentarischen Blick auf Besonderheiten der Islamischen Kunst nicht fehlen: Die Islamische Kunst ist eine bildlose Kunst und dennoch voller Bilder. Damit ist das Stichwort “Bilderverbot” aufgerufen.

Der Islam hat – wie zumindest zeitweise auch die übrigen Religionen semitischen Ursprungs – generell Vorbehalte gegenüber Bildern und Abbildungen. Die strikte Verkündigung einer monotheistischen Religion richtet sich zwangsläufig gegen eine Bilderverehrung, der die Gefahr des Götzendienstes immanent ist. Außerdem ist Allah der Schöpfer schlechthin. Bei der orientalischen Mentalität, die Unterscheidung zwischen Abgebildetem und Abbildung gelegentlich zu vernachlässigen, würde der Mensch mit der Schöpfermonopol Allahs unbotmäßig konkurrieren.

Das “Bilderverbot” bezieht sich vor allem auf plastische Darstellungen, nie jedoch auf die Wiedergabe von Landschaften oder Pflanzen.
Es gilt strikt in religiösen Bauten; dort ist allein der Schmuck durch geometrische Ornamente oder Schrift (”Arabeske und Kalligraphie”) erlaubt. Außerhalb – etwa für Miniaturen, Keramik, Metallarbeiten oder Textilien – suchte man nach einer Konzeption, die lediglich die Idee eines menschlichen oder tierischen Wesens, nicht sein Abbild wiedergab.

So finden Sie beispielsweise auf einer ausgestellten Lüsterschale einen Jüngling als zweidimensionales Wesen, marionettenhaft mit stereotypen Gesichtszügen.

Islam bedeutet Unterwerfung unter den Willen Gottes; das gilt sowohl für den einzelnen Menschen wie für die Gemeinschaft. Die Religion ist allgegenwärtig. Es gibt weder einen Unterschied von “Kirche und Staat”, noch zwischen “hoher Kunst und Kunstgewerbe”, wie ihn die Kunstgeschichte in den westlichen Kulturen herausstilisiert hat.

Wenn sich – außerhalb der anonymen Volkskunst und selten genug – einmal ein Handwerker zu erkennen gibt, sieht er sich meist als Knecht Allahs, nicht als jemand, der sich über andere hinausheben möchte.

Sie sehen, es erwarten Sie ein große Vielfalt und viele neue Eindrücke. Gehen Sie durch die Ausstellung mit offenen Augen und offenem Herzen. Lassen Sie sich bezaubern von Formen und Farben – so wie wir alle einmal von den Märchen aus 1001 Nacht verzaubert wurden.


Das Medienecho

Ingolstadt – Anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens zeigt die Gesellschaft der Freunde Islamischer Kunst und Kultur e.V. (München) im Bayerischen Armeemuseum im Neuen Schloss islamische Kunst aus privaten Sammlungen in Deutschland. Die etwa 150, bislang großenteils unveröffentlichten Exponate aus den unterschiedlichen Bereichen stammen aus Sammlungen der Mitglieder der Gesellschaft.

Anliegen der Gesellschaft ist, das Wissen um die islamische Kunst und Kultur zu fördern und damit einen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten. So findet der Besucher aus Ländern von Marokko bis Indien zum Thema Buchkunst frühe Koranabschriften, reich verzierte Koranständer, prächtig gestaltete Buchdeckel, Manuskripte und Miniaturen, fein ziselierte Papierscheren und anderes Schreibzubehör. Dazu kommen Münzen, Schalen, Wasserbecken und -kannen, Leuchter, Glasobjekte, Schilde und Waffen. Bemerkenswert unter den Keramiken und Fliesen ist ein wohl aus einem Sakralbau stammender quadratischer Ziegel aus dem Osmanischen Reich des 15. Jh., dessen Inschrift dem Format angepasst ist und in eckigem Schriftduktus in der Mitte den Namen Allah und darum herum die Namen Ali und Muhammad trägt. Vorbild für seine Gestaltung waren möglicherweise chinesische Siegel. Einflüsse aus den vom Islam eroberten Ländern aufzunehmen und in etwas eigenes zu transformatieren ist typisch für die islamische Kunst, was auch an andere Stücken deutlich wird. Schmuck und Textilien – darunter eine Reihe Suzani – bilden einen weiteren Ausstellungsschwerpunkt. Aus den Beständen des Bayerischen Armeemuseums, zu dessen Schätzen seit Gründung 1879 auch Objekte islamischer Kunst vornehmlich aus der Türkenbeute zählen, ist ein kostbarer, großformatiger osmanischer Floralkelim aus dem 17. Jh. hinzugefügt. – Karin Adrian von Roques.

Quelle: Weltkunst. August 2000, S. 139.

“Islamische Kunst aus privaten Sammlungen in Deutschland” im Armeemuseum in Ingolstadt

Entrüstung über Heidnisches war übrigens keine Spezialität der christlichen Kultur, sondern gab es auch in islamischen Ländern. Dass in dieser Kultur der Bilderlosigkeit doch Bilder großer Schönheit entstanden, zeigt eine Ausstellung in Ingolstadt, im Armeemuseum.

Islamische Kunst ist dort zu sehen. Eine Fülle großer Schönheit. Nicht nur herrliche frühe Keramikschalen, reduziert wie japanische Zen-Kunst. In weißlichem Kreis ein schwarzer Schriftzug: “Baraka”, “Segen”. Vielmehr auch Fliesen, bedeckt mit reichen Ornamenten, mit Blüten und Blumen, mit abstrakten Bänder und Sprüchen, oft aus dem Koran, dem heiligen Buch des Islam.

Zu sehen ist aber auch kupfernes Hausgerät, fein ziselierte Kannen und Becher, sind kostbare Waffen, Teppiche, sind verzierte Koranständer und Kalligraphien. Und man kann die Kunst des Ebru kennen lernen, die Kunst der Marmorierung.

Wie fast alles in dieser Ausstellung haben auch die zarten Papiere mit ihren Marmormustern einen tiefen religiösen Sinn. Ein Blatt ist in strahlenden Blau-Grüntönen gehalten, aus denen die weiße Schrift als Bild hervorleuchtet. Die Worte sind zur hohen Kopfbedeckung geformt, so, wie sie noch heute die Derwische zu Festen tragen, die Mewlana Dschelaleddin Rumi verbunden sind, einem der bedeutensten Mystiker und Poeten, der im 13. Jahrhundert lebte.

Quelle: Ausstellung-Tipp von Wilhelm Warning. Bayerischer Rundfunk, Programm B5 aktuell vom 28. August 2000.

Sonderausstellung in Armeemuseum eröffnet

Bis Mitte Oktober ist im Armeemuseum noch ein Ausstellung zu besichtigen, die dem ersten Anschein nach gar nicht so recht dort hin gehört. “Islamische Kunst aus privaten Sammlungen in Deutschland” lautet der Titel was mit bayerischer Militärtradition zunächst rein gar nichts zu tun hat.

Doch gibt es zwischen diesen beiden Bereichen durchaus gewisse Anknüpfungspunkte wie Museumsdirektor Dr. Ernst Aichner bei der gestrigen Eröffnung vor zahlreichen Gästen darlegte. Zunächst würden in einem historischen Museum auch Kunstwerke nach dem dokumentarischen Wert beurteilt und ausgestellt. Daher werde islamische Kunst im Armeemuseum unter dem. Oberbegriff “Türkenbeute” betrachtet. Damit soll daran erinnert werden, dass die bayerische Armee über Jahrhunderte hinweg einen wesentlichen Anteil an der Abwehr und Zurückdrängung der Türken aus Europa gehabt habe.

Oberbürgermeister Peter Schnell erinnerte daran, dass es allein in Ingolstadt über 7000 türkische Mitbürger gebe. Er rief dazu auf, diese in ihrer Eigenheit, ihrem Glauben und ihrer Kultur zu respektieren. Nur der tolerante Umgang der Kulturen untereinander sichere dauerhaft den Frieden und sei der bessere Weg zur Gestaltung der Zukunft.

Die Idee zur Ausstellung stamme von der “Gesellschaft der Freunde islamischer Kunst” [und Kultur] mit Sitz in München, erklärte deren Vorsitzender Werner Joseph Pich. Für den vor zehn Jahren gegründetem Verein sei diese Ausstellung ein Höhepunkt in seiner Arbeit. Könne das Armeemuseum damit zumindest temporär seine Bestände um sonst selten ausgestellte Objekte erweitern, sehe der Verein darin die Chance, Mitglieder und Förderer zu werben.

Pich erinnerte daran, dass jeder fünfte Mensch auf der Welt der islamischen Glaubensgemeinschaft angehört. Allerdings wüssten die Europäer sehr wenig darüber, ganz im Gegenteil komme es immer wieder zu Verwechslungen und Irritationen. Daher sei gerade eine solche Ausstellung von großem Wert.

Die Herkunft der knapp 150 ausgestellten Objekte reicht von Marokko bis Afghanistan Darunter befinden sich beispielsweise handgeriebene Wasserbecken aus dem 14. bis 16. Jahrhundert, die in Ägypten und Syrien hergestellt wurden Besonders fein ziseliert ist ein so genanntes Astrolabium aus dem Iran, mit dem astrologische Berechnungen und Zeitbestimmungen durchgeführt wurden. In Persien gehörten diese Geräte noch am Anfang des 20. Jahrhunderts zur Alltagskultur. Zu den ältesten Ausstellungsgegenständen zählen Münzen, kunstvoll beschriftete Koranblätter so wie Schalen aus dem 9. und 11 Jahrhundert Die große Verbreitung des Islam dokumentieren Leuchter und Kandelaber aus dem Jemen oder ein Elfenbeintisch aus Indien [vgl. Abb. Rechts]. Neben Schmuck sind nach zahlreiche filigrane Ornamenten und Zeichnungen von Blumen versehene Kacheln und Keramiken ausgestellt. Die Sonderausstellung ist noch bis 16. Oktober zu besichtigen.

Quelle: Donaukurier, 09. Mai 2000.

A special exhibition of islamic art, including a substantial group of Turkish an Central-Asian Textiles, is on show this summer in the Bavarian city of Ingolstadt. Organised by Birgitt Borkopp and Christian Erber for the Society of Friends of Islamic Art and Culture, the show runs until mid-October.

(…) Ten years ago, the Gesellschaft der Freunde islamischer Kunst und Kultur (…) was founded in order to promote knowledge of Islamic art and understanding of its historical and cultural context. To celebrate the society’s 10th anniversary it was decided to mount a special exhibition of objects from the very personal collections of the society’s members.

The Bayerisches Armeemuseum in Ingolstadt, near Munich, may at first seem a rather odd venue for an exhibition of Islamic Art. But among the Museum’s treasures is one of the splendid Ottoman sultan’s tents captured during the wars against the Turks at the end of the 17th century, as well as a large whiteground Ottoman kilim (newly conserved) used in one of those tents – these will be on show anlogside the special exhibition.

Of course, the exhibition cannot hope to represent the whole panorama of Islamic art or even a major part of it. The scope has thus been defined by the interests and individual tastes of the collectors. One of the two galleries is dedicated to textiles, among which embroderies will feature prominently.

Dramatic Uzbek suzanis (cover), Turkish towels embroidered in gold, silver, and coloured silks, medieval silks from Central Asia with patterns brocaded in gold, and Ottoman velvets represent the long and varied tradition of textile art in the Islamic countries. One of the most interesting objects is a hanging made for a tent window, worked in woollen cloth in a kind of intarsia technique.

Ceramics will include objects from northern Afghanistan, Nishapur ware from Iran, Seljuk bowls and tiles and Turkish tiles from the high Ottoman period. Among metalwok objects there are 13th century bronzes form Iraq, Syria and Egypt and precious ewers form Afghanistan. A small collection of coins will complete the picture.

The arts of the book are represented by fine calligraphies, carved and painted Qur’an stands and delicate calligrapher’s tools.

Most of the objects have never been published before. Some certainly rank among the masterpieces of their type; others – this must be said – may not always meet the standards of artistic quality expected of great museums collections, but are of special interest to scholars for their dates and provenance.

A catalogue in the form of a special edition of the society’s journal, with texts by Dr. Volkmar Enderlein and Dr Gisela Helmecke of the Berlin Museum für Islamische Kunst, provides detailed descriptions and full color illustrations if all objects on show.

Source/Quelle: HALI. Carpet, Textile and Islamic Art. Issue 110. May-June 2000, p. 33.